Mit Vorbedingungen hatte sich Ronald Reagan bisher der Forderungen nach einer amerikanisch-sowjetischen Spitzenbegegnung erwehrt. Erst müßten die Sowjets an den Genfer Verhandlungstisch zurückkehren, dann sei er zum Gespräch bereit. Jetzt hat der Präsident dem Druck der amerikanischen Öffentlichkeit nachgegeben. Er will auch ohne strikte Konditione Tschernjenko gehen.

Wie tief begründet Reagans Sinneswandel immer sein mag, er führte auf jeden Fall zu einem klugen Schachzug. Starrheit und Rechthaberei sind dem Präsidenten nur noch schwerlich anzukreiden. Er steht erst einmal als Schalmeienspieler da, und seine innenpolitischen Gegner haben das Nachsehen.

Auch für die Sowjets gibt es keinen Grund zur Freude. Falls sie die Wiederwahl des Präsidenten erschweren wollten, müssen sie sich jetzt etwas Neues einfallen lassen. Wie immer sie entscheiden: Der Wahlkämpfer Reagan hat sich Freiraum geschaffen. Er kann ohne Stimmenrisiko verhandeln oder Härte zeigen, je nach Moskaus Reaktion. Dem Weltfrieden wird seine neue Beweglichkeit weniger nutzen. Für eine Annäherung zwischen Ost und West vor der Präsidentenwahl kommen Reagans Gipfelbereitschaft aller Erfahrung nach zu spät. D. B.