Ein Kompendium für Fachleute

Von Horst Bieber

Unmittelbar nach dem ersten Ölpreisschock 1973 begann der Höhenflug eines bis dahin unbekannten Wortes: "Energiesparen". Es war (und ist) plastisch, griffig, phantasieanregend und eben so unscharf, wie man es für die politische Debatte braucht. Gemeint war damals, zur Mitte der siebziger Jahre, weniger Öl importieren zu müssen, also ein wirtschaftspolitisches Ziel. Weniger Öl hieß dann: weniger Abhängigkeit vom Kartell der ölexportierenden Länder. Ein Großteil dieses Öls wurde (und wird) nach der Verarbeitung als Heizöl verbrannt. "Weniger Öl", also auch weniger Heizöl, kann dann ganz verschiedene Effekte auslösen:

  • geringere Raumtemperaturen, statt 21 nur noch 19 Grad Celsius (daran haben sich vielleicht private Haushalte gehalten, aber nicht die Verwalter öffentlich zugänglicher Gebäude)
  • ein Umbau der Heizungsanlage, der Kessel oder Heizkörper, um die bei der Verbrennung entstehende warme optimal zu nutzen.
  • eine bessere Isolierung des Gebäudes – Doppelfenster, Dämmung des Daches, eine zusätzliche "Außenhaut"
  • überlegterer Umgang mit Heizenergie: Der berufstätige Junggeselle regelt morgens die Temperatur seines Wohnraumes herunter und fährt sie am späten Nachmittag wieder hoch.

Sparen will gelernt sein

Vier sehr unterschiedliche Methoden für ein Ziel: den Heizkosten-Etat eines Mieters zu senken. Zwei davon erfordern einen unter Umständen beträchtlichen finanziellen Aufwand, bei dem man sich fragen muß, ob er lohnt oder – auch dieser Ausdruck ist nach-opec-isch – ob er "sich rechnet". Eine verlangt geringere Investitionen in Form dickerer Pullover, eine nur bewußteres Verhalten. Der einmal propagierte Satz "Sparen will gelernt sein" trifft also auch und gerade auf das Energiesparen zu; der vielleicht noch populäre Spruch "Auch Kleinvieh gibt Mist" ist leider nur so lange gültig, wie es sich um wirklich kleine Maßnahmen handelt – zum Beispiel den Ersatz einer zerbrochenen Fensterscheibe im Treppenhaus vor Beginn der Frostperiode ...

Das so sympathische Ziel des Energiesparens läßt sich noch weiter komplizieren: Herr X, Eigentümer eines freistehenden Einzelhauses, hat sich ausgerechnet, daß eine dämmende Außenhaut finanziell lohnend ist – aber wieviel Energie muß aufgewendet werden, um das Dämm-Material herzustellen und zu transportieren? Der betriebswirtschaftliche Vorteil kann, muß aber nicht mit dem volkswirtschaftlichen Nutzen zusammenfallen, was Herrn X vielleicht erstaunen, aber kaum kümmern wird.