Stilles Blühen im Rahlstedter Dschungel/ Schiere Mordlust aus heiterem Himmel/ Retortenbaby in Münster/ Schlange hilft Bier-Räubern/ Die Semmel im Kreuzfeuer/ Pesthauch über Mexiko/ Die Ratten in San Remo.

Schöne bunte Welt oder „Vermischtes“: Schlagzeilen auf Seite 64 der „Süddeutschen Zeitung“ vom 13. Juni 1984.

TV-Theater

In den Theatern geht die Saison gemächlich ihrem Ende entgegen. Sommerschlaf. Dafür fängt nun im Fernsehen die Theatersaison erst richtig an. Gewissermaßen als Vorspiel kann man im 3. Programm des Westdeutschen Fernsehens (24. Juni, 21.45 Uhr) das imposanteste Bruchstück aus Robert Wilsons großem, gescheiterten Theatertraum besichtigen: den Kölner Teil von „The Civil Ware – A Tree is best measured when it is down.“ Der Kölner Intendant Jürgen Flimm hat Wilsons „Opera“ fürs Fernsehen eingerichtet – der Meister ist von der Adaption seines Werkes, wie nun der WDR mitteilt, „beeindruckt und beglückt“. „Sieben Aufführungen, Höhepunkte des deutschen Theaters der letzten Jahre“ kündigt das ZDF für seine „Sommerfestspiele“ an. Die Aufführungen, von Theaterkritikern ausgewählt und vorgestellt sind: Tschechows „Möwe“ (Regie Peter Zaaek) am 9. Juli, Botho Strauß’ „Trilogie des Wiedersehens“ (Regie Peter Stein) am 16. Juli, Becketts „Warten auf Godot“ (Regie Beckett) am 23. Juli, Edward Bonds „Die See“ (Regie Luc Bondy) am 6. August, Molières „Menschenfeind“ (Regie Rudolf Noelte) am 13. August, Enzensbergers „Menschenfeind“ (Regie Peter Zadek) am 2o. August und Shakespeares „Mittsommernachtstraum“ (Regie Dieter Dorn) am 27. August.

Abschied von Europa?

Unter dem Titel „Syrena“, dem Wappensymbol der Stadt Warschau, wird in der katholischen Akademie Hamburg bis zum 30. Juni eine Ausstellung polnischer Gegenwartskunst gezeigt. Groß ist die Angst polnischer Maler, von Europa, von der europäischen Kultur isoliert zu werden. Schon jetzt ist Resignation und Fatalismus in einigen der ausgewählten Bilder und Graphiken zu spüren – ein langsamer, trauriger Rückzug, unfreiwillig und fast hoffnungslos. Andere Arbeiten zeigen politische Symbole und versteckte, spitze Anspielungen auf die polnische Wirklichkeit. Die schwarze Madonna ist Thema eines Bildes, das in Polen nicht mehr gezeigt werden kann. Es sei denn in den Wohungen und Ateliers der Künstler, die so privat eine Art „verbotenes Museum“ organisiert haben. Gedacht ist die Ausstellung als ein Beitrag zur „Hilfe durch Selbsthilfe“. Der Erlös aus dem Verkauf der Werke soll polnischen Künstlern helfen, die nicht dem neuen offiziellen Künstlerbund „ars Polonia“ beigetreten sind und damit von staatlichen Stipendien, Ankäufen und Ausstellungen ausgeschlossen sind. Es sind fast neunzig Prozent der polnischen Maler, die sich weigern, dieser Vereinigung Gefolgschaft zu leisten. Außerdem soll Geld in einen Fonds einfließen, mit dem polnische Arbeiterfamilien unterstützt werden.

Gedicht der ZEIT