Von Axel Arens

Die Autos in Amerika haben angefangen zu reden. In Europa haben das erst ein paar ganz vornehme gelernt. Und ihr Vokabular ist noch nicht sehr groß. Aber in Amerika sprechen fast alle neuen Autos. Viele beherrschen sogar schon Fremdsprachen.

Irgendwoher, aus Richtung Motorhaube, unter der Konsole hervor, kommen Geisterstimmen. Sie erwarten keine Antwort. Aber sie dulden auch keinen Widerspruch. Am Anfang erschrickt man. Nicht sehr, aber schon etwas. „Schließen Sie Ihre Türe!“ sagt eine unsichtbare Stimme, als ich bei einem Bekannten in seinen neuen XYZ-Turbo zusteige. „Schnallen Sie sich bitte an!“ ist das nächste Kommando. Die Stimme bedankt sich höflich: „Thank you.“ Setzt sich der Wagen in Bewegung, beruhigt die Stimme Fahrer und Beifahrer: „Alle Systeme funktionieren.“

Donnerwetter. Ich staune. „Wieviele Sätze kann er denn?“

Der stolze Besitzer: „Achtzehn.“

Zum Beweis öffnet er (bei langsamer Fahrt) die Tür. Die Stimme merkt es: „Ihre Tür ist offen.“ Die Stimme warnt: „Vorsicht, Sie haben nur noch wenig Benzin.“ Oder: „Ihr Ölstand ist zu niedrig. Und wenn der Fahrer aussteigt, rät ihm die Stimme: „Vergessen Sie Ihren Schlüssel nicht!“ Stark. Der Besitzer des sprechenden Turbos ist von meinem Staunen beeindruckt.

Die Stimme gibt es wahlweise in drei Sprachen. Man kann auch drei Sprachen hintereinander haben. Eine Ansage wie im Flugzeug. Aber drei Sprachen, das sei ihm zu viel Geschwätz, sagt der Mann, da könne man gar nicht mehr Radio hören. Außerdem verstehe er Spanisch, die zweite Wahlsprache des Autos, ohnehin nicht. Aber – man könne zwischen einer männlichen und einer weiblichen Stimme wählen.