/ Von Heinz Michaels

Der Eklat war programmiert; er wurde von den Arbeitgebern der Druckindustrie in Kauf genommen. „Wir mußten die Biedenkopf-Vorschläge sofort ablehnen“, sagt Manfred Beltz Rübelmann, der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, „auch wenn das in der Öffentlichkeit nicht leicht verstanden wird.“ Dietrich Mehnert, Geschäftsführer der Druck-Arbeitgeber in Norddeutschland präzisiert: „Wir mußten verhindern, daß sich die Diskussion über das Biedenkopf-Modell überhaupt erst festfrißt. Das hätte für die Verhandlungen einen Erwartungshorizont geschaffen, der nicht zu erfüllen ist.“

Professor Kurt Biedenkopf, CDU-Landesvorsitzender in Westfalen, und von beiden Seiten als Vermittler in dem seit nunmehr zwölf Wochen andauernden Arbeitskampf der Druckindustrie angerufen, erfuhr erst auf insistierendes Nachfragen bei einem Abschlußgespräch, warum die Arbeitgeber seinen Vermittlungsvorschlag (siehe: Das Biedenkopf-Modell) so schroff abgelehnt haben, ohne auf sein Angebot einzugehen, ihnen das Modell zu erläutern: Sie wollen „im Prinzip keine Arbeitszeitverkürzung“, weder der Wochen- noch der Jahresarbeitszeit.

„An einem Prinzip zu scheitern ist nicht so schlimm wie an schlechter Arbeit“, resümierte der CDU-Politiker mit galligem Humor.

Dabei mußten die Arbeitgeber wissen, worauf sie sich einliessen, als sie Kurt Biedenkopf ihr Plazet gaben, nach einer „politischen Lösung“ des Konfliktes zu suchen. Seine Meinung über Arbeitsmarktpolitik ist in seinen Reden und in Arbeiten seines Bonner „Instituts für Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik“ nachzulesen. Er hält Arbeitszeitverkürzung für notwendig, um die „wachsende Kluft zwischen dem schneller wachsenden Produktivitätsfortschritt und dem geringer anwachsenden Wirtschaftswachstum zu schließen“.

Dieser Linie und seinem gesellschaftspolitischen Konzept ist der CDU-Polkiker mit seinem Modell treu geblieben, ebenso wie der in einem Institutspapier erhobenen Forderung, „daß die Arbeitszeitverkürzung eine notwendige, zugleich aber auch eine außerordentlich riskante und folgenreiche Operation ist, die mit großer Sorgfalt und einem Höchstmaß an Verantwortungsbewußtsein durchgeführt werden muß“. Entgegen den gewerkschaftlichen Vorstellungen von festen Stufenplänen für die Arbeitszeitverkürzung enthalten Biedenkopfs Vorschläge genügend Spielraum, das Verfahren der wirtschaftlichen Entwicklung sowie den Bedürfnissen der Klein- und Mittelbetriebe anzupassen.