Stoff genug zum Nachdenken hat die SPD bekommen: Das renommierte Heidelberger Sinus-Institut erläuterte dem Parteivorstand in Klausur eine langfristig angelegte Untersuchung, aus der hervorgeht, wie heterogen die Anhängerschaft der SPD wirklich ist; ihre politischen Zielvorstellungen, Lebensumstände und haltungen widersprechen einander diameteral. Ein Bild, bunt wie die Gesellschaft. Damit wird die SPD wohl leben müssen.

Leichter hat es die CDU mit einem einheitlicheren Wähler-"Typus", übrigens auch die FDP. Es hat sich – dieser Untersuchung zufolge – herausgestellt, daß der FDP "Typus" dem der CDU weithin zum Verwechseln ähnelt, er geht "nur etwas häufiger ins Theater". Ein Hinweis fürs neue Grundsatzprogramm der Liberalen? *

Eine falsche Entscheidung hat der Vorstand der SPD getroffen, kollektive Weisheit mag man es jedenfalls nicht nennen: Horst Ehmke ist bei den Wahlen zum Präsidium der Partei, dem engsten geschäftsführenden Leitungsgremium, unterlegen. Man kann auch sagen, er ist abgewählt worden.

Es widerfährt Horst Ehmke nicht zum erstenmal, daß er von Partei oder Fraktion einen Denkzettel – oder was es sonst sein mag – verpaßt bekommt. Er bleibt ein Ungeliebter.

Bei den Wahlen zum Präsidium erhielt Herta Däubler-Gmelin 25 (von 38) Stimmen. Sie ist damit als Nachfolgerin von Antje Huber einzige Frau an der Spitze der SPD. Inge Wettig-Danielmeier, Vorsitzende der ASF (Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen) schaffte mit 16 Stimmen den Sprung ins Präsidium nicht. Hans Koschnick und Holger Börner (34 Stimmen) bleiben in diesem Beliebtheitstest an der Spitze.

Auch Hans Apel gehört jetzt zu diesem kleinen Kreis. Der rechte Genosse soll als Berliner Spitzenkandidat mit Ämtern bestückt und besonders herausgestellt werden. Ob das die richtigen Kriterien sind, ist eine Frage für sich. Aber der neue SPD-Vorstand achtet eben trotz aller Unkenrufe auf politische Symmetrie.

Das wirklich interessante Rennen fand, nachdem die Vorgespräche zugunsten Apels ausgegangen waren, zwischen vier anderen Personen statt: Horst Ehmke, Erhard Eppler, Egon Bahr und Peter von Oertzen. Der Linke von Oertzen verzichtete vorab auf seine Kandidatur, da waren’s nur noch drei. Erhard Eppler siegte mit 30 Stimmen klar, worin sich wirklich "alte und neue Wertschätzung" spiegeln mögen, wie Willy Brandt meinte. Bahr schaffte es sehr knapp (18 Stimmen), während Ehmke (17) unterlag.