Vielleicht gibt es ja doch eine Gerechtigkeit. Wenige Sekunden nur haben gefehlt – und Jupp Derwalls trostlose Truppe wäre ins Halbfinale der Fußball-Europameisterschaft gestolpert. Wenige Stimmen nur haben gefehlt – und Hans Dietrich Genschers FDP wäre wieder ins Europa-Parlament gekommen. Dann aber, in der 90. Minute und nach Mitternacht, sprachen die spanischen Fußballer und der Bundeswahlleiter das erlösende Machtwort: Aus für Genscher, der den deutschen Liberalen das Gesicht, aus für Derwall, der dem deutschen Fußball den Geist gestohlen hat. Das Ende zweier Überlebenskünstler.

Genscher wollte bis 1986 bleiben, geht nun ein Jahr früher; Derwall will bis 1986 bleiben, geht vielleicht schon diesen Monat. In beiden Lagern, bei FDP und DFB, wird nun viel vom Neuanfang, von Ecken und Kanten und Offensive gesprochen. Neue Männer stehen bereit. Doch halt – sind es nicht die alten, bis zum Überdruß bekannten? Wird die schönere Zukunft nicht schon vor dem Angriff wieder verspielt?

Wir wagen eine Prophezeiung: Mit dem Bundesvorsitzenden Neuberger wird die FDP keine Tore schießen, mit dem Bundestrainer Bangemann die deutsche Fußballmannschaft an der Fünf-Prozent-Klausel scheitern. Dies ist die Stunde der Angriffs-Spieler, der Flügel-Stürmer.

Auch wenn Dänemark nie Europameister und Petra Kelly niemals Bundeskanzler wird, gilt dennoch Sepp Herbergers Spruch: Das Leder ist rund, und grün ist das Gras. B. H.