In der nächsten Woche wollen die Intendanten der ARD in Baden-Baden über ein neues Programmschema beraten. Die Mehrheit von ihnen möchte, daß das Abendprogramm mit Filmen, Shows oder Kultursendungen nicht erst um 20.15 Uhr nach der Tagesschau beginnt, sondern bereits um 19.30 Uhr. Die Intendanten wollen damit den Wünschen vieler ihrer Kritiker nachkommen: „Fangt früher an“ und „Sendet die guten Sendungen nicht erst zur Schlafenszeit“. Der Programmdirektor des Westdeutschen Rundfunks, Heinz Werner Hübner, hat in der letzten Ausgabe dieser Zeitung die Gründe dafür beschrieben.

Die Folge der neuen Programmstruktur wäre, so beabsichtigen es ihre Befürworter, die erste Hauptausgabe der Tagesschau bereits um 18.30 Uhr zu senden und um 21.30 Uhr bis 22.00 Uhr dann die eigentliche Hauptausgabe der Tagesschau zu präsentieren.

Abends um acht Uhr also kein Köpcke mehr und keine Dagmar? Für viele Fernsehzuschauer beginnt sicherlich der Abend mit Tagesschau, doch richtig ist auch, daß viele auf Streiknachrichten und den Wetterbericht pfeifen, wenn im ZDF just um diese Zeit bereits die Herren Rosenthal oder Thoelke den Bildschirm beherrschen.

Und richtig ist sicherlich auch, daß um elf Uhr abends, wenn sich die Tagesthemen abgequält haben, die Augen, auch bei einem Western mit Gary Cooper, nur schwer offenzuhalten sind. 75 Prozent aller Bundesbürger liegen um 23.00 Uhr bereits schnarchend im Bett. Es gibt sicherlich kein Medium, das so heftig und ausdauernd kritisiert wird wie unser Fernsehen. Verkrustet sei es und unbeweglich. Deshalb sei dankbar vermerkt, daß die Programmplaner der ARD von München bis Bremen unsere Wünsche zu ergründen versuchen und sich Gedanken machen, wie sie uns die geliebte Glotze so attraktiv wie möglich machen wollen.

Wer weiß, ob sie auch aktiv geworden wären, wenn nicht das private Fernsehen ihnen im Nacken säße. Eines nicht so fernen Tages wird es nämlich ein oder zwei private Fernsehprogramme geben, die als kommerzielle Anstalten darauf angewiesen sind, möglichst viele Fernsehzuschauer anzulocken. Und die öffentlich rechtlichen Anstalten werden dann ihre Existenzberechtigung nur wahren können, wenn auch ihr Programm vom Zuschauer akzeptiert wird.

Nun gibt es bekanntlich zwei öffentlich rechtliche Anstalten, das ZDF und die ARD. Jene gilt als die lebendigere Anstalt mit einem entschlußfreudigen Intendanten an der Spitze, diese als schwerfälliger, weil sie aus neun Länderanstalten besteht, deren Intendanten immer wieder unter einen Hut gebracht werden müssen. In letzter Zeit hat sich in den Anstalten verstärkt eingebürgert, auf die sogenannten Einschaltquoten zu schielen. „Ätsch, 46 Prozent haben Dalli Dalli gesehen“, sagen die ZDFler, „bäh“, die ARDler, „unseren Tatort 50 Prozent.“ Das Vergleichen der Hitlisten ist zu einem beliebten Sport geworden, und so werden denn auch die Zuschauer von heute und Tagesschau oder von heutejournal und Tagesthemen verglichen. Zählt man aber übers Jahr die Zuschauer von ZDF und ARD zusammen, so halten sie sich die Waage. Das gilt, grob gerechnet, auch für die Nachrichtensendungen.

Konkurrenz der beiden öffentlich rechtlichen Anstalten untereinander ist gut, soweit sie sich auf die Inhalte der Programme Dezieht. Sie wird aber sicherlich tödlich, gerade in Hinblick auf das private Fernsehen, wenn die Konkurrenz zu einem Kampf um höhere Einschaltquoten ausartet. Dann wird Dalli Dalli immer Köpcke schlagen.