Von Heinz Blüthmann

In der Werbebroschüre zur Hebung des eigenen Images, die Postminister Christian Schwarz-Schilling zu Beginn dieses Jahres von seinen Beamten unters Volk streuen ließ, stehen viele schöne Sätze von ihm über ihn – etwa dieser: Ein christlicher Politiker wie Schwarz-Schilling „ist durch sein Menschenbild nicht darauf angelegt..., letzte Vollkommenheit zu erzwingen oder absolute Ziele zu verkünden oder letzte Wahrheiten zu beweisen, denn er weiß um die Unvollkommenheit dieser Schöpfung und den Irrtum der Menschen“.

Daß dies nur allzu wahr ist, wurde Schwarz-Schilling vor wenigen Tagen bewiesen. Das oberste Ziel, für das der erste Medienpolitiker auf dem Chefsessel der Bundespost seit seinem Amtsantritt im Herbst 1982 unablässig getrommelt hat, gilt nämlich plötzlich nicht mehr: Die Verkabelung der Republik mit Kupferadern bis zu jedem Haushalt zwischen Flensburg und Friedrichshafen ist passé.

Die abrupte Kabel-Wende kommt, wen eben dert’s, nicht aus ministerieller Einsicht in einen Irrtum, sondern ist praktisch durch ein Gutachten des Bundesrechnungshofs erzwangen, das dem Postminister dicke Rechenfehler nachweist (siehe Kasten: „Die Fehler des Ministers“) Quintessenz des peinlichen Prüfungsberichts: Die Verkabelung der Bundesrepublik wird viel teurer als Schwarz-Schilling bisher immer behauptete, und der Post drohen deshalb künftig saftige Verluste.

Nicht neu, aber wichtig für das, was nun kommt: Das Auslegen der Kupferadern kostet pro Haushalt dort am meisten, wo die Besiedlung am dünnsten ist – auf dem platten Land. Umgekehrt können Haushalte in den Großstädten am billigsten ans Kabel angeschlossen werden.

Um seine Planzahlen – und womöglich seinen Ministersessel – zu retten, verfiel Schwarz-Schilling nun auf einen typischen Politiker-Trick: Er schusterte den Plan heimlich um und tat einfach so, als sei nichts gewesen. Damit war im Handumdrehen aus einer zu teuren und defizitären flächendeckenden Vollverkabelung mit Kupfer eine kleine Lösung geworden, die der Post womöglich rote Zahlen erspart.

Naßforsch, wie es seine Art ist, leugnete der Postminister in der vergangenen Woche öffentlich sogar, daß je eine Vollverkabelung geplant gewesen sei. Als ob es sich um irgendein absurdes Ansinnen der Opposition und nicht um ein selbst jahrelang verfolgtes Ziel handelt, läßt Schwarz-Schilling in der offiziellen Stellungnahme zur Rechungshof-Kritik erklären: Angesichts der unterschiedlichen Besiedlungsdichten „ist es kaum vertretbar, eine Vollverkabelung der gesamten Bundesrepublik durchführen zu wollen. Das hatte die Deutsche Bundespost übrigens auch nie vor.“