Von Richard Gaul

Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann war in der vorigen Woche vor Automobil-Managern bemerkenswert offen: Das Thema Waldsterben, so kommentierte er, „ist wahlentscheidend“. Und damit die Industriellen auch wirklich die drohende Gefahr erkannten, warnte der Christsoziale, auch in Nordrhein-Westfalen drohe eine rot-grüne Koalition, wenn Bonn nicht bald Erfolge vorweisen könne.

Diese Gefahren sind der CDU und CSU nicht erst seit der Europa-Wahl bewußt. Schon im vorigen Jahr galt ihre Strategie der Schwächung der Grünen – und wichtigster Minister, in diesem politischen Kampf ist eben Friedrich Zimmermann. Der Innenminister soll den Grünen die Themen nehmen; Umwelt, so das Kalkül, muß von der Regierung „besetzt“ sein, dann laufen den Ökologen auch die Wähler wieder weg. So verstanden muß „Umweltschutz“ nicht unbedingt der Sache, eben dem Schutz der Umwelt, dienen, wichtiger ist vielmehr die möglichst wirksame Präsentation des Themas, denn es geht nicht um den deutschen Wald, es geht um den Erhalt der Macht.

Objekt der Politik des Innenministers ist unter diesem Aspekt seit nunmehr einem Jahr das Automobil. Die Abgase des Autos gelten als eine der Ursachen für den frühen Tod vieler Bäume, und hier glaubt Friedrich Zimmermann die schnellsten Erfolge erzielen zu können – nicht etwa beim Versuch, dem kranken deutschen Wald zu helfen, sondern bei seiner werbewirksamen Präsentation als Umweltschützer.

Vor einem Jahr versprach der Innenminister darum, von 1986 an werde es in der Bundesrepublik bleifreies Benzin geben, Voraussetzung für den Einsatz von abgasreinigenden Katalysatoren im Auspuffsystem eines Autos (siehe: „So arbeitet der Katalysator“). Immer wieder ließ sich Zimmermann in den folgenden Wochen und Monaten zu diesem Thema vernehmen, und selbst nachdem die Europäische Gemeinschaft im April dieses Jahres seine Pläne abgeblockt hat, will er sein Ziel weiter verfolgen. In der nächsten Woche soll das Bundeskabinett über die Politik des Innenministers entscheiden. Saubere Abgase durch Autos mit Katalysator, nach dem Votum der EG nun nicht mehr zu erzwingen, sollen jetzt von 1986 an durch finanzielle Anreize erreicht werden. Der Innenminister möchte