Auf Informationstour für die Sache Nicaraguas: Deutsche Erntehelfer berichten über die Erfahrungen bei ihrer Hilfsaktion

Von Ulrich Stock

Es ist abends, kurz vor acht. Im Versammlungsraum des Jugend- und Kommunikationszentrums Schenefeld haben sich dreißig Besucher eingefunden, meist jüngere Leute. Unten in der Halle wird Tischtennis gespielt. Ein Mitarbeiter des Heimes hat Kaffee aufgesetzt und schmiert Wurstbrötchen, letzte Vorbereitungen für einen längeren Vortrag.

Der Referent heftet Plakate an die Wand, zieht eine Landkarte aus, justiert den Diaprojektor. Bodo Martens heißt er, ist 26 Jahre alt, studiert Sport und Geographie.

Kurz vor Weihnachten vergangenen Jahres traf Bodo Martens eine Entscheidung, die ihn bis heute beschäftigt. Mit 160 anderen jungen Deutschen flog er nach Nicaragua, um dort bei der Ernte zu helfen. Von Nicaragua wußte er damals nicht viel. Zwar hatte er sich an der Universität politisch engagiert, doch nie in einem der Lateinamerika-Komitees, die die Solidaritätsaktion organisierte. Als er aus der tageszeitung von der Aktion erfuhr, faßte er spontan den Entschluß: Endlich handfest helfen!

Die Reise kostete 3000 Mark. Bodo Martens trug seine Ersparnisse zusammen, Freunde gaben Geld dazu. Die Kälte verfluchend, oft vom Regen durchnäßt, pflückte er zwei Monate lang Kaffeebohnen, pflanzte Kartoffeln. Mit ihrer Arbeitskraft unterstützten die "Brigadisten" aus Deutschland die Menschen in Nicaragua unmittelbar. Freilich stand der Aufwand in keinem Verhältnis zum Ertrag: Die Regierung Nicaraguas mußte bei der Betreuung der Gäste noch zuzahlen. Was schlimmer ist: Teile der eingebrachten Ernte verfaulten in den verminten Häfen.

Vergebens war die Aktion indessen nicht. Die vielleicht wirksamere Hilfe für die Nicaraguaner zeigte sich erst später. Sofort nach ihrer Rückkehr in die Bundesrepublik begannen viele Teilnehmer der Hilfsaktion, sich in öffentlichen Veranstaltungen für die Sache Nicaraguas einzusetzen, indem sie über ihre Erfahrungen in diesem Lande berichteten.