Nach dem Rückzug des ungeliebten Bundestrainers: Aufschwung mit Franz Beckenbauer?

Von Aloys Behler

Mögen in diesen Tagen auch andere Sorgen dringender sein – die Lage der Nation erfordert es, über Fußball zu reden. Der Bundestrainer Josef Derwall nahm den jüngsten Auftritt seiner Truppe bei der Europameisterschaft in Frankreich als letzten Anstoß zu einen heroischen Entschluß: Er will dem Erfolg des deutschen Fußballs nicht länger im Wege stehen. Es rührt sich was im heimischen Kicker-Laden, und in den Pupillen der deutschen Fans spiegeln sich die Fragezeichen banger Erwartung: die Wende?

Eine Erinnerung an ferne Zeiten liegt nahe: Es war einmal eine rheinische Frohnatur namens Jupp Derwall, die der Erfolg knüppeldck traf. Nach der Weltmeisterschaft von Argentinien 1978 ohne jeden Lorbeer-Vorschuß ins Amt gekommen, blieb dieser Bundestrainer mit dem ihm anvertrauten lädierten Erbe Helmut Schöns über Jahre unbesiegt, dreiundzwanzig Spiele lang. Gutgelaunt und leutselig, wie er war ("Ich bin der Jupp"), vergaß er damals dennoch nie die staatsmännische Warnung vor der nächsten Niederlage, die bestimmt komme. Ein souveräner Trainer war Jupp Derwall. Das haben heute alle vergessen außer ihm selber. Es wäre aber gut, man dächte daran bei den Installationsarbeiten für den Nachfolger.

Hätte Derwall geahnt, was danach kam, hätte er wohl schon damals das Feld geräumt. Doch seine Frohnatur konnte nichts Böses ahnen, galt er doch – nach dem autoritären Herberger, nach dem spröden Schön – eine Zeitlang gar als ein Musterfall von Führungskraft für Fußballprofis der Neuzeit: so aufgeschlossen, so umgänglich, so mitbestimmungsfreundlich, so kameradschaftlich.

Wenn wir heute, mit Recht, die Dänen preisen ob ihres herzerfrischenden Fußballs und damit zugleich die Arbeit ihres deutschen Trainers Sepp Piontek, der diese Mannschaft geprägt hat, indem er jeden einzelnen darin als mündigen Partner ansprach und jedem seinen Spielraum ließ, auch außerhalb des Spielfeldes, dann müssen Jupp Derwall die Ohren klingen. Hat er doch bewiesen, daß das Prinzip der Führung "an der langen Leine" das einzig wahre ist – so lange, bis er auch das Gegenteil bewiesen hatte.

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