Von Annelies Furtmayr-Schuh

Wie einer ist, so ist sein Gott, darum ward Gott so oft zu Spott

Goethe, Zahme Xanten 4

Sie kommt im schwarzen Kostüm. Er trägt einen Nadelstreifen-Anzug. Die Tür zur Frauenarztpraxis steht weit offen und Klänge von Beethovens Neunter dringen bis ins Treppenhaus. Das feierlich gekleidete Paar zieht vorüber. Unten im Hof lehnt gerade ein junger Mann sein Fahrrad an die Hauswand, nimmt das Thermosgefäß, das an der Lenkstange hängt, und stürzt ins Haus. Ist der junge Mann in diesem Bund der Dritte?

500 bis 1000 Kinder werden jährlich, mit oder ohne Musik, auf dem Gynäkologenstuhl gezeugt. Der Vater dieser Kinder ist weder der Ehemann der Mutter noch der Gynäkologe, der die Insemination vornimmt, sondern ein anonym bleibender Spender. In München etwa sind rund 100 ausgewählte; freiwillige Medizinstudenten – darunter 20 Dauerspender – für die Samenbank der Frauenklinik am Großhaderner Klinikum tätig (siehe ZEIT Nr. 2/1984).

Obwohl in Deutschland seit mehr als zehn Jahren Frauen mit Fremdsperma inseminiert werden, erfolgt diese ärztliche Handlung mit all ihren Folgen gleichsam in einem juristischen Vakuum. Nach geltendem Recht ist das nichteheliche Kind mit seinem biologischen Vater verwandt und hat nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch Erbanspruch. Auch wenn der Ehemann einer künstlichen Insemination seiner Frau mit Spendersamen zugestimmt und die Ehelichkeit des Kindes anerkannt hat, behält er das Recht, später diese Ehelichkeit anzufechten.

Trotz der Rechtsunsicherheit entdecken Ärzte zusehends das einträgliche Geschäft mit dem Kinderwunsch der Frauen. Und nach dem "säkularisierten Minimalkonsens der Mediziner" – du darfst dem Patienten nicht schaden – fühlen sich dabei viele sittlich rein und im Einklang mit einer selbstgebastelten Ethik.