Wer in 10 000 Meter Flughöhe krank wird, kann arm dran sein – selbst wenn ein Arzt oder eine Krankenschwester unter den Passagieren ist. Es hapert an der medizinischen Ausrüstung an Bord.

Eine blasse Philippinin liegt, in Decken gehüllt, am Boden. Ein paar freundliche Helfer umsorgen die unruhige Frau, bringen kalte Tücher und heißen Tee – wissen aber ansonsten wenig mit ihr anzufangen.

Ein Arzt wird gesucht. Er kommt und kümmert sich um die Patientin. Sie leidet an Durchfall, Schmerzen im Unterleib, erhöhtem Herzschlag. Als der Mediziner eingreifen will, sind ihm die Hände gebunden: Die Frau, die dringend seine Hilfe benötigt, liegt in einem Verkehrsflugzeug in 10 000 Meter Höhe, irgendwo zwischen Zürich und Singapur.

An Bord findet Helmut Seitz, deutscher Arzt aus Heidelberg, kein Blutdruck-Meßgerät. Er will die Schocksymptome behandeln – keine Infusionslösung. Medikamente, außer großen Mengen Valium, sind nicht aufzutreiben.

Der Zustand der Frau verschlechtert sich rasch. Bei der Zwischenlandung in Bahrein, so heißt es, soll sie versorgt werden, der Notarzt sei angefordert. Am Flughafen jedoch wartet lediglich eine hilflose Krankenschwester. Kein Arzt, keine Intubationsmöglichkeit, kein EKG, kein Gerät zur Elektroschockbehandlung des Herzens, kurz, kein Anzeichen einer Notfallambulanz – nicht einmal eine Trage.

In diesem Moment hört die junge Frau zu atmen auf. Helmut Seitz versucht eine Herzmassage, die Frau kommt vorübergehend zu sich, erbricht und bekommt Speisereste in die Atemwege.

Nach über einer halben Stunde endlich trifft ein Arzt ein, allerdingst ohne brauchbare Ausrüstung. Er kommt sowieso zu spät. Die 28jährige Asiatin ist tot.