Von Gesine Froese

Wie unbekannt die Idee des "Time-Sharing" als neue Urlaubsform ist, zeigte sich sogar bei den Anfragen an die Fachleute: Deutsche Immobilien-Vereinigungen hüllten sich in Schweigen oder erwiesen sich als ahnungslos. In den Archiven fanden sich nur wenige Veröffentlichungen, fast alle stammten aus der "Gründerzeit" von Time-Sharing in Deutschland: aus den Jahren ’81 oder ’82. Nicht nur, daß sie veraltet waren, sie steckten überdies auch noch voller Hiobsbotschaften: In diesem "an sich so einfachen Prinzip" stecke "der Teufel im Detail", Besitzer von maroden Hotels wollten über den Verkauf von Time-Sharing-Anteilen nur ihre Häuser sanieren, die immer wieder als Kaufargument ausgespielte "Wiederverkaufsmöglichkeit mit Gewinn" wäre Betrug, da es in der Bundesrepublik noch gar keinen Gebrauchtmarkt für Teilzeitobjekte gäbe.

So weit, so schlecht. Viel unangenehmer noch: Die in den Artikeln angegebenen Adressen angeblich seriöser Unternehmen entpuppten sich als wertlos – denn abgesehen von einer einzigen, einer Schweizer Adresse waren innerhalb der vergangenen zwei Jahre alle anderen von der Bildfläche verschwunden. Bei der Suche nach neuen Time-Sharing-Anbietern half oft der Zufall. Bald zeigte sich, daß Time-Sharing-Anbieter nur den Namen gewechselt hatten und daß ihre Produkte die alten in neuem Kleid waren. Auch die Geschäftspraktiken hatten sich nur scheinbar geändert: In den Informationspapieren wurde zwar umfassender aufgeklärt, zum Teil sogar mit Kopien von Zeitungsartikeln. Aber: Es waren alte Artikel, die warnenden Stellen waren vorsorglich herausgeschnitten.

Zum Teil wurde auch auf das Wort "Time-Sharing", das neben den sonst noch gebräuchlichen Namen wie "Teilzeiteigentum" oder "Interval-Ownership" das übliche ist, wie auf etwas Aussätziges reagiert. "Nennen wir es nicht ’Time-Sharing’, nennen wir es anders", sagte mit deutlichem Unbehagen in der Stimme der Geschäftsführer einer Schiffsbetriebsgesellschaft in Hamburg, die einen Luxus-Passagier-Segler zumindest zur Hälfte mit dem Verkauf von Wochen-Anteilscheinen finanzieren will.

Auch der Umgang der Konkurrenten untereinander ist nicht gerade zartfühlend. Der Verteiler der zu Lobeshymnen zurechtgestutzten Presse-Artikel warnte beispielsweise vor. einem Wettbewerber: "Seien Sie vorsichtig, der hat schon einige Prozesse am Hals gehabt.

Wo so viel gepokert wird, da muß es sich lohnen. Die Rechnung ist schnell gemacht: Wer beispielsweise eine Zweizimmerwohnung 29 Wochen im Jahr für je 12 950 Mark verkauft (das ist ein durchaus üblicher Zwischensaison-Preis), dem bringt sie rund 376 000 Mark – abzüglich der meist fetten Provision für den Vermittler. Der Spiegel meinte 1982, der angeblich so günstige Time-Sharing-Kauf scheine vor allem "ein Fall für schwache Rechner zu sein", und vergleicht den Preis einer 30 Quadratmeter großen Teilzeit-Ferienwohnung in Seeleitn/Österreich mit dem Quadratmeter-Preis einer Frankfurter Stadtwohnung ("gute Frankfurter Stadtlage"). Danach war das Teilzeit-Objekt dreimal so teuer. Ein Rechenexempel, das freilich schlecht in das strahlende Bild paßt, das Time-Sharing-Anbieter auf Werbepfaden für potentielle Kunden aufstellen.

"Die beste Idee seit der Erfindung des Urlaubs", die "inflationssicheren Ferien für immer" nämlich, die dazu führen sollen, den "Urlaub von morgen zu sichern" (so die übliche Argumentationskette) – diese Idee kommt eigentlich aus Deutschland, obwohl sie sich erst in den USA zu voller Blüte entfaltete. Kreiert hat sie in Jahre 1958 ein Berliner namens Alexander Nette, der spätere Gründer der Schweizer Zweitbesitz-Firma "Hapimag", die in Fachkreisen bis heute als seriös gilt. Nette ist aus dem Unternehmen wieder ausgeschieden. Die Methoden, mit denen Nettes Idee und System der "Teilappartements" und des "kostenlosen Urlaubs" im "Weltring" Anfang der sechziger Jahre unter die Leute gebracht wurden, mögen indes das ihre zu der derzeit von allen Anbietern als "schwierig" beurteilten Verkaufslage in Deutschland geführt haben. Da machten laut Spiegel rund "ein Dutzend gerichtsbekannter Geschäftsleute", die sich aus "IOS-Veteranen und Immobilienmaklern, aber auch aus Kosmetik- und Putzmittelhausierern sowie schlichten Glücksrittern" rekrutierten, provisionshungrige Jagd auf Time-Sharing-Interessenten: "Sie prellten Westdeutschlands gehobenen Mittelstand, darunter Ärzte, Rechtsanwälte und Wirtschaftsprüfer um rund 30 Millionen Mark. Mitte der sechziger Jahre nahm sich die Frankfurter Staatsanwaltschaft der Sache an."