Ein treuer Gefolgsmann des verstorbenen Parteiführers Enrico Berlinguer rückte an die Spitze der italienischen Kommunisten.

Alessandro Natta gehört seit über vier Jahrzehnten zum engsten Führungskreis seiner Partei. eigenes Profil in der Öffentlichkeit gewann der Altphilologe aus Ligurien nur selten – 1969 etwa, als er den Parteiausschluß der linksradikalen Intellektuellen der Manifesto-Gruppe betrieb. Das Ende des Zweiten Weltkrieges erlebte Nana nicht wie die meisten italienischen Kommunistenführer seiner Generation als Mann der Resistanzia, sondern als Leutnant in einem deutschen Kriegsgefangenenlager. In dreieinhalb Jahrzehnten als Abgeordneter brachte er es zum Fraktionsvorsitzenden. Zuletzt war er Vorsitzender der parteiinternen Kontrollkommission: eine ideale Position für den loyalsten der getreuen Verfechter des Programms Enrico Berlinguers.

Innerhalb der KPI ist die fortschreitende Abnabelung von Moskau und das Bekenntnis zur Demokratie nur noch bei wenigen Außenseitern umstritten. Italiens Kommunisten streiten sich heute um etwas anderes: Wie können sie endlich den Lohn für ihre demokratische Wandlung einfahren und Regierungspartei werden?

Enrico Berlinguers Rezept – der "historische Kompromiß" mit den Christdemokraten – hat sich nicht verwirklichen lassen. Aber auch die Alternative, ein Bündnis mit den Sozialisten gegen die bürgerlichen Parteien, scheint unrealistisch zu sein. In der Kommunistischen Partei optiert heute – ein wenig paradox – die "berlingueristische" Mitte für einen harten Konfrontationskurs gegen die Regierung Craxi – mit dem strategischen Ziel, die Christdemokraten doch noch zu einem "Kompromiß" mit der KPI zu zwingen. Dagegen will eine starke Minderheit von "Rechten" die Christdemokraten möglichst bald zur Oppositionspartei machen und mit den Sozialisten koalieren.

Die "rechte" Minderheit hat im Augenblick die schwächeren Argumente: Der Erfolg der KPI bei der Europawahl war ein so klarer Sympathiebeweis für den gerade verstorbenen Berlinguer, daß ein Kurswechsel unplausibel erscheint. Die führenden "Rechten" – der Gewerkschaftschef Lama und der Wirtschaftsexperte Napolitano – schieden darum als ernsthafte Kandidaten für die Berlinguer-Nachfolge aus.

Gesucht war ein Parteichef, der Berlinguer in jeder Hinsicht ähnlich ist, und das ist Alessandro Natta – von seinem mangelnden Charisma abgesehen. Daß der neue Generalsekretär derselben Generation angehört – er ist mit 66 Jahren sogar vier Jahre älter – war darum kein Minuspunkt. Der weiße Rauch aus dem "roten Konklave" – 227 ZK-Mitglieder wählten Natta, elf enthielten sich der Stimme – bewies den Willen zur Kontinuität. Die Probleme der KPI wird er nicht lange vernebeln können. Gi