Diesmal soll auf dem Katholikentag nichts schiefgehen – anders als in Düsseldorf wird in München Kritisches versteckt

Ja mei, das wird aber ein besonders schöner Katholikentag heuer. Schließlich kann man, kann der Herr Maier, der Gastgeber, seine hunderttausend frommen Seelen diesmal daheim empfangen – in der bayerischen Landeshauptstadt, im schönen München, wo Hans Maier Kultusminister ist.

Diesmal, nicht wahr, darf ja auch wirklich nichts schiefgehen, jetzt, wo drumherum die große Politik endlich wieder im rechten Lot ist, wo man Gottseidank keinen sozialdemokratischen Bundeskanzler mehr einzuladen braucht. Freilich: Der Wunschkanzler Helmut Kohl wird voraussichtlich keine Zeit für die versammelten Katholiken in München haben; der ist irgendwo anders im Ausland unterwegs. Aber Maier und die anderen Mitglieder des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, des offiziellen Veranstalters der Katholikentage, werden auch ohne ihn fertig.

Das Zentralkomitee, dem Maier seit Jahren schon präsidiert, ist der Dachverband der katholischen Laienorganisationen: Man ist da bischofstreu und unionsfromm – von wenigen nicht weiter ins Gewicht fallenden Ausnahmen abgesehen. Allein daher schon sind die Katholikentage gar nicht zu vergleichen mit den alternierend organisierten evangelischen Kirchentagen der protestantischen Konkurrenz. Aufgesplittert und zerfasert wie die evangelische Kirche nun einmal ist, so schlimm pluralistisch stellen sich die verschiedenen Richtungen des Protestantismus auf ihren Kirchentagen der Öffentlichkeit dar – ja mehr noch: immer ein ganzes Stück offener, linksliberaler, progressiver, als es die evangelischen Kirchen letztlich sind.

Die evangelischen sind da schon ein viel ehrlicheres Spiegelbild des deutschen Katholizismus. Da dürfen seit einigen Jahren zwar Zehntausende fröhlicher Jungkatholiken singen und tanzen – und nach jedem Katholikentag gibt es selbst in der kirchenkritischen Presse wohlwollend-erstaunte Schlagzeilen, wobei man die Schlagzeilen, die München hervorbringen wird, heute schon im Archiv nachlesen kann unter Düsseldorf, Berlin, Freiburg. Die Jungen dürfen auch gern mal was Freiburg. sagen – solange es nicht zu kritisch ist.

So etwas wie vor zwei Jahren in Düsseldorf, wo renitente katholische Jugendverbände und die Linken und die Spinner vom alternativen "Katholikentag von unten" das Bild in den Medien weitgehend prägen konnten, wird in München aber nicht passieren. Da hat man vorgesorgt. Zwei große Friedenskundgebungen wie in Düsseldorf wird es nicht, geben. Der Friede und die Rüstung werden statt dessen in einer "Friedenswerkstatt" abgehanstatt wo die friedensbewegten Referenten gegenüber Unionsvertretern und Bundeswehrangehörigen in der Minderzahl sind. Demos gibt’s fei net heuer, der Friede ist jetzt halt in der rechten Hand.

Mit den Alternativen vom "Katholikentag von unten" macht man jetzt sogar erstmals eine gemeinsame Veranstaltung, eine einzige unter Hunderten, die der "offizielle" Katholikentag bieten wird, Thema: "Gemeinde im Widerstreit". So kann niemand behaupten, man bemühe sich nicht, auch die Linken und die Spinner zu integrieren. Und was die daneben noch in eigener Regie und auf eigene Kosten mit katholischen Feministinnen und katholischen Schwulen und solchen Elementen veranstalten, davon kann man sich im Zweifelsfalle immer noch pikiert distanzieren. Erstens hat man gar nichts damit zu tun, und zweitens trägt es dazu bei, das Bild der katholischen Kirche doch wieder so hübsch pluralistisch erscheinen zu lassen – denn die meisten Besucher machen ohnehin keinen Unterschied zwischen den Diskussionen, Gottesdiensten, Treffen des offiziellen und des alternativen Katholikentages.