Das berühmte Café Demel sperrt Touristen aus Fernost aus

Ein ungewöhnliches Schild ist derzeit in den Auslagen der renommierten k. u. k.-Hofbäckerei Demel in der Wiener Innenstadt zu lesen: "Off limits for Japanese – kein Eintritt für Japaner" steht da unmißverständlich. Das sonst so gastfreundliche Haus duldet ab sofort keine Besucher aus dem Fernen Osten mehr. Den verschreckten Japanern werden nähere Informationen über den Grund der ungewöhnlichen Maßnahme bei der Geschäftsführung des Hauses versprochen.

Und die schäumt über die Methoden, mit denen die Japaner beim Erwerb von Markenrechten vorgehen. Die Demel-Story: Vom 15. Februar 1974 bis zum 31.12.1975 praktizierte ein bienenfleißiger und stiller Japaner namens Haruo Yokomizo in der Wiener Nobelkonditorei. Als er wußte, wie man die feinsten Demel-Spezialitäten zubereitet, kehrte er – bestückt mit einem prachtvollen Zeugnis des weltbekannten Unternehmens – in seine Heimat zurück. Danach hörte Demel-Chef Udo Proksch jahrelang nichts mehr von seinem fleißigen Praktikanten – bis Proksch nun mit dem japanischen Unternehmen Takorabune in Kyoto vor einem höchst lukrativen Geschäftsabschluß stand: Dieses japanische Unternehmen wollte im Fernen Osten eine Kette von "Demel-Houses" errichten und nach den Originalrezepten von der Marmelade bis zu den begehrten Torten alles gegen klingende Münze – fast zwei Millionen Mark Lizenzgebühr und vier Prozent Umsatzbeteiligung – vermarkten.

Alles schien perfekt zu sein – bis eine Routinekontrolle bezüglich der Markenrechte eine peinliche Überraschung brachte: Da stellte sich heraus, daß der Ex-Lehrling aus Japan in der Zwischenzeit in seiner Heimat die Marke "Demel" und alle ähnlich klingenden Namen für sich hatte schützen lassen. Die erste Rechtsauskunft war für Demel-Chef Proksch in Japan mehr als ernüchternd: Dort wird die Meinung vertreten, daß die Marke "Demel" längst einer japanischen Firma namens Nakamura-Ya gehört.

Proksch empört: "Wenn bei uns in Österreich einer die Marke Toyota eintragen lassen will, aber in Wahrheit damit nichts zu tun hat, geht das ja auch nicht. Aber in Japan ist das alles möglich. Das sind doch Partisanentricks." Politische Spitzenleute Österreichs wurden für entsprechende Interventionen bei den japanischen Stellen mobilisiert – aber nicht einmal ein Protest von Vize-Kanzler Steeger hat die Japaner auch nur im geringsten beeindruckt. Sie nickten freundlich zu den Protesten – und sicherten sich über die Wiener Handelskammer zusätzlich weitere Rechte – freilich gratis – andere, orginal "Wiener Kaffeehäuser" in Japan eröffnen zu dürfen.

Da riß dem Demel-Chef endgültig die Geduld. Er ließ Eintrittsverbote für die Japaner in den Auslagen der stark frequentierten Fußgängerzone anbringen und gründete gleichzeitig einen "Verein zur Wohlgestaltung der Handelsbilanz zwischen Japan und diversen europäischen Ländern". Proksch, der früher für die Brillenfirma Anger international tätig war, verfügt über gute persönliche Kontake zur deutschen Industrie. Er hofft, daß sein Verein Unterstützung von prominenten Unternehmen findet, die gleichfalls Markenrecht-Probleme mit japanischen Konkurrenten haben.

In Österreich steht der Demel jedenfalls nicht allein mit seiner Konfrontation da. Derzeit laufen auch andere gerichtliche Auseinandersetzungen mit japanischen Firmen, etwa wegen der Markenrechte für "Mozartkugeln" und anderen österreichischen Produkten. Udo Proksch entschlossen: "Den Demel gibt es seit zweihundert Jahren – aber so etwas ist uns noch nicht passiert!"

Georg Weiland