Interessant

"Trauma" von Gabi Kubach. – Eine Frau begibt sich in ein abgelegenes Haus an der bretonischen Küste, um eine dort verschollene Frau zu suchen. Die detektivische Recherche wird zu einer Reise in ihre eigene Innenwelt. Sie begegnet einem schrecklichen, nie verarbeiteten Trauma aus Kindertagen. Die Spuren der fremden Frau, denen sie folgt, sind in Wahrheit die Spuren ihrer eigenen verschütteten Biographie. Die Geschichte, die Gabi Kubach in ihrem ersten Kinofilm erzählt, ist ziemlich gewaltig und psychologisch aufgedonnert. Aber man verfehlte den Film, begriff; man ihn realistisch. Er nennt sich "Psycho-Thriller" und spielt mit den Mustern verschiedener Genres. Die einsame Landschaft, die saugende Tiefe des Meeres, die schwindelerregende Ausblicke von den Klippen herab, das verlassene Haus mit seinen irritierenden Spuren einer fremden Biographie – all dies nutzt Gabi Kubach und macht daraus eine fremdartige und schöne Kino-Szenerie. Dennoch bleibt der Eindruck, daß sie sich mit der Geschichte übernommen hat. Manche Szenen und Nebendarsteller bleiben blaß, und auf Birgit Doli lastet ein Beweisdruck, der sie zu hysterischen Ausbrüchen treibt – anstatt in die gefährliche Stille des Wahsinns. Dennoch ein bemerkenswertes Debüt, interessanter als die vielen sozialpflegerischen Durchschnittsfilme. Ulrich Greiner

Enttäuschend

"Dead Zone" von David Cronenberg (nach dem gleichnamigen Roman von Stephen King). Der Film erzählt von einem Mann, der nach einem Autounfall fünf Jahre lang im Koma liegt. Als er schließlich wieder zu Bewußtsein kommt, entdeckt er in sich die Fähigkeit, zukünftiges und vergangenes Geschehen vor- bzw. nachzuerleben. Cronenbergs Film zeigt diese Fähigkeit ganz real. Wie immer im phantastischen Kino steht so das Unwahrscheinliche neben dem Konkreten, dasÜbernatürliche neben dem Alltäglichen. Die Grenzen des Wirklichen verflüchtigen sich, sie werden flüssig; gewohnte Sicherheiten lösen sich wie selbstverständlich auf; Doch die Dramaturgie der Ereignisse, ihre Abfolge und ihr Rhythmus dämmen die Explosivität dieser Grenzerweiterung ein. Was die Geschichte verspricht (daß ein Hellsichtiger die Gefährlichkeit eines US-Präsidentschaftskandidaten voraussieht und deshalb eingreift), verläppert sich in allzu konventionell montierten Bildern. Daß Cronenberg filmisch erzählen kann, muß er nicht beweisen; mit "The Parasite Murders", "The Brood" und "Scanners" hat er längst gezeigt, wie grundlegend er uns Zuschauer zu irritieren, wie beiläufig er Brutales, Grausames, Blutrünstiges als Teil unserer Welt zu inszenieren vermag. Nach Tobe Hooper ("Salem’s Lot"), George A. Romero ("Creepshow"), Lewis Teague ("Cujo") und John Carpenter ("Christine") scheitert mit Cronenberg bereits der fünfte Meisterregisseur des Horrorkinos an einem Stephen-King-Stoff. Norbert Grob

Platt"Mir reicht’s, ich steig aus" von Gustav Ehmck, der über seine wenig beachteten Filme aus den siebziger Jahren sagte, er habe sie "manchmal mit dem moralischen Zeigefinger" gemacht. Dies gilt auch für seinen neuesten Film. Eine öde Steinwüste irgendwo in Neu-Mexiko. Alle Wege führen nach Paso. Nach getaner Knochenarbeit im Steinbruch läßt sich Joseph, Karikatur des brutalen Macho, von seiner Frau den Rücken schrubben und von seiner Tochter Linda (Linda Manz, die zuletzt in Dennis Homers "Out of the blue" zu sehen war) Bier und Pfeife bringen. "Hennen fliegen nicht, Hennen legen Eier", begründet Joseph sein Patriarchat durch eine platte Lebensweisheit. Auch in der nahegelegenen Kleinstadt, wo man fein herausgeputzt zum Wochenende hinfährt, amüsiert sich die frauenverachtende Männerwelt in der Peep-Show, während die Ehefrau bei pappigen Sandwichs ins schale Bier starrt. Da muß erst die freche Linda kommen, um ihrer Mutter das rechte, heimlich unter der Bettdecke angelesene Frauenbewußtsein beizubringen. Sie widersteht den Zähmungsversuchen des tobenden Vaters und überredet die Mutter schließlich, den Chauvi zu verlassen. Das alles ist platt und kolportagehaft. Die schauerliche Synchronisation gibt die Personen dann stellenweise ganz der Lächerlichkeit preis. So können sich mit Gustav Ehmck alle Männer; die sich ihr Bier schon einmal selbst aus dem Kühlschrank holen, zufrieden auf die eigene Schulter klopfen. Krischan Koch

Empfehlenswerte Filme

"Ich Du Er Sie" von Chantal Akermann. "Das Geld" von Robert Bresson. "Friedliche Tage" von Richard Blank. "Frevel" von Peter Fleischmann. "Der Kontrakt des Zeichners" von Peter Greenaway. "Das Fenster zum Hof von Alfred Hitchcock. "Koyaanisqatsi" von Godfrey Reggio. "Das Leben ist ein Roman" von Alain Resnais. "Abwärts" von Carl Schenkel. "Der Schlaf der Vernunft" von Ula Stöckl. "Nostalgie" von Andrej Tarkowski. "Auf Liebe und Tod" von François Truffaut. "Super" von Adolf Winkelmann.