Jackson, demokratischer Präsidentschaftsbewerber, sorgte erneut für Schlagzeilen: Von einem Besuch in Kuba brachte er 26 politische Gegner Fidel Castros und 22 amerikanische Häftlinge nach Hause.

Eine triumphale Heimkehr am 28. Juni beschloß die sechstägige Reise des schwarzen Präsidentschaftsbewerbers nach Panama, El Salvador, Nicaragua und Kuba – eine Reise, die Jesse Jackson als "moralische Offensive" der "militärischen Offensive" der Reagan-Regierung gegenüberstellte. Er glaubt, den Beweis erbracht zu haben, daß Frieden in Amerika möglich ist und daß die USA auch mit den revolutionären Regimes in Kuba und Nicaragua "harmonische" Beziehungen entwickeln können.

Doch der Triumph war nur von kurzer Dauer. Jackson geriet in vielfache Kontroversen und die schlimmste davon hat mit seiner Reise nicht einmal direkt etwas zu tun. Zunächst war es eine Enttäuschung, daß in Washington nur der dritte Mann des Außenministeriums zur Verfügung stand, um sich Jacksons politische Botschaften aus Havanna und Managua anzuhören. Anders als nach der riskanten Heimholung des Fliegeroffiziers Goodman aus syrischer Gefangenschaft, wurde Jackson diesmal nicht von Präsident Reagan empfangen, vielmehr vom Weißen Haus öffentlich beschuldigt, sich von Fidel Castro in zynischer Weise mißbraucht haben zu lassen.

Enttäuschend war es für Jackson auch, wie negativ das Echo auf seine Mission unter den Exil-Kubanern ausfiel. Selbst einige der freigelassenen politischen Gefangenen warnten davor, Castro auf den Leim zu gehen. Da es in den Vereinigten Staaten zu den traditionellen Spielregeln gehört, Außenpolitik nicht auf eigene Faust zu betreiben, ist Jesse Jacksons "Freistil-Diplomatie" trotz der Befreiung von politischen Gefangenen auch außerhalb des Lagers der Reagan-Anhänger auf Kritik gestoßen. Man hat ihm verübelt, daß er die Politik seines Landes gegenüber Nicaragua auf dem Boden Nicaraguas kritisiert hat, daß er für die Sache der Guerrillas in El Salvador Verständnis zeigte, für die der "Contras" in Nicaragua aber nicht.

Die gefährlichste Kontroverse für Jackson und die demokratische Partei hatte mit der Mittelamerikareise nur insoweit zu tun, als sie während dieser Tage ihren Lauf nahm. Jackson war eben erst in Panama eingetroffen, als der fanatische Sektenführer der Schwarzen Moslems, Louis Farrakhan, die jüdische Religion als "Religion der Gosse" beschimpfte und die Staatsgründung Israels einen "illegalen Akt" nannte. Farrakhan, ein Förderer und Anhänger Jacksons, hat mit rassistischen Parolen den schwarzen Präsidentschaftsbewerber schon mehrfach in Verlegenheit gebracht, und Jackson selbst hat mit unglücklichen Äußerungen im Vorwahlkampf in New York die Juden vor den Kopf gestoßen.

Es bedurfte erst einer Drohung des Hauptquartiers der Demokratischen Partei, Jackson auf dem Konvent in San Francisco nicht das Wort zu geben, wenn er sich nicht von Farrakhan distanziere, damit Jackson und vor allem sein Stab den Ernst der Lage begriffen.

Aus Nicaragua dann bestätigte Jackson, er halte die antisemitischen Äußerungen des Führers der Schwarzen Moslems für sträflich und moralisch unhaltbar. Ob dies genügt, um den Ausbruch der schwelenden Animosität zwischen Juden und Schwarzen zu offener Auseinandersetzung auf dem Konvent zu verhindern, steht dahin.