Berlin: "Darstellung der Ausländer im japanischen Holzschnitt des 17. - 19. Jahrhunderts"

Japaner haben Schlitzaugen, schwarze glatte Haare und gelbliche Haut: so ungefähr sehen wir es und nennen das, was wir sehen, exotisch. Und wie sehen die Japaner uns – kuhäugig, pickelhäutig, großfüßig? Als höfliche Menschen geben sie darüber keine offene Aushilft, aber wie sie uns, beziehungsweise die ersten Europäer, die in ihr Land kamen, nannten (das waren Spanier, Portugiesen, später auch Holländer), das wisset wir aus den ersten bildlichen Darstellungen, der sogenannten "Namban"-Kunst des 17. Jahrhunderts. "Namban": das waren die "Südbarbaren", die mit großes Nasen und seltsam weiten Pluderhosen auf kunstgewerblichen Arbeiten ihr barbarisch komisches Leben führen. Erst im 18. Jahrhundert sieht man diese handeltreibenden Europäer (die in völliger Isolation leben mißten, ihre Geschäfte über Verbindungsbeamte abwickelten und sich nur zu gewissen Festlichkeiten in die Stadt Nagasaki begeben durften) auf Holzdrucken. Diese "Nagasaki-" und "Yokohama-Drucke", die zwischen 1740 und 1860 entstanden, wurden wahrscheinlich von den Handelsmissionen zugeordneten Angestellten angefertigt und dienten vor allem als eine Mischung von Bild-Zeitung und Andenkenblättern. Dabei wurden die Sitten, Kleider und Gebräuche der Europäer, die sich im 19. Jahrhundert dann für Familie und Geschäft auch Wohn- und Lagerhäuser in Yokohama bauten, mit jene: Mischung von Verwunderung und Befremdung geschildert, die den Darstellungen die Frische und Komik naver Kunst gibt. Die Japaner haben die exotischen Europäer genau beobachtet und das, was sie für nützlich hielten, schnell gelernt – zum Beispiel den Umgang mit jenem photographischen Apparat, der auf einem der Drucke als großes schwarzes Monstrum (inklusive Tuch zum Drunterkrabbeln) auftaucht. Die kleine Ausstellung, aus den früheren Beständen des Kunstgewerbemuseums und der Kunstbibliothek von Steffi Schmidt zusammengestellt, ist ein Vergnügen zum Nachdenken. (Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz, Museum für Ostasiatische Kunst bis 15.7.) Petra Kipphoff

Wichtige Ausstellungen

Berlin: "Von Frans Hals bis Vermeer – Meisterwerke holländischer Genremalerei"(Museum Dahlem bis 128., Katalog 40 Mark)

Berlin: "Leon Polk Smith" (Nationalgalerie bis 29.7., Katalog 14 Mark)

Duisburg: "Bella figura" (Wilhelm-Lehmbruck-Museim bis 2.9., Katalog 20 Mark)

Frankfurt: "Ulrich Rückriem – Skulpturen" (Städelches Kunstinstitut bis 19.8., Katalog 20 Mark)