Zwei Bücher über Gärten sind anzuzeigen, keine Gartenbücher, sondern zwei Geschichten im grünen Trend. Die eine spielt in Amerika, die andere an der Elfenbeinküste, doch die geographischen Orte spielen allenfalls eine atmosphärische Rolle. Beide Male ist der Garten die Welt, einmal sogar im Titel –

Malcolm J. Bosse: "Ein Garten so groß wie die Welt", aus dem Amerikanischen von Wolf Harranth; Benziger Verlag, Zürich, Köln; 191 S., 22,– DM.

Die neue Erzählung des Jugendbuchpreisträgers ("Ganesh") hat einen amüsanten Grundeinfall: ein zweiundachtzigjähriger Mann hat im Zuchthaus gelernt, die Poren und Äderungen seiner Zelle so genau zu studieren, daß sich die Kerkerwände auflösten.

Jetzt sitzt er im Garten seiner Schwester und bringt einem vierzehnjährigen Rotzlöffel dieses Sehen bei. Der Garten wird in "79 Quadrate" (so der Originaltitel) eingeteilt, und der Junge Eric muß in jedem Quadrat eine Stunde verbringen. Nach anfänglichem Widerstand wird das – so will uns der Autor glauben machen – ein großes Abenteuer für den Jungen.

Auf mich hat sich jedoch die Aufregung nur sehr bedingt übertragen. Die biotopische Bestandsaufnahme ist einfach nicht "abendfüllend". Dürers Grasstudie auf die ganze Wiese ausgedehnt wäre auch nur langweilig.

Dieser "Garten" ist zweifellos Bosses schwächstes Buch, da es noch mehr als die "Traumhöhle" zutiefst pädagogisch ist. Zwischen jeder Zeile hört man den Lehrer Bosse, der die Kinder belehrt: Augen auf, die Welt ist so reich und schön. Die Kinder aber werden das Buch zumachen; denn der Erzähler Bosse, der das Drumherum erfand, ist diesmal sehr schwach. Es ist ihm nicht gelungen, den Grundeinfall in einen glaubhaften Rahmen zu betten. Ich nehme es dem Autor einfach nicht ab, daß ein Jugendlicher seine "Bande" verläßt und sich wochenlang in eine Wiese hockt, um Ameisen zu beobachten.

Ganz anders in – Kristina Ehrenstrale: "Die fünfte Ecke", aus dem Schwedischen von Birgitta Kicherer; C.Bertelsmann Verlag, München; 128 S., 16,80 DM.