ZDF, Sonntag, 24 Juni: "Schmutziger Lohn", Bericht von Ruprecht Eser über das Söldner-Geschäft

Minuten der Wahrheit am späten Abend: Söldner, Berufskiller, erzählten aus ihrem Leben und legten Rechenschaft ab. Gewissensbisse? Nein, mein Herr, Fehlanzeige. Töten für Geld – ein unehrenhaftes Gewerbe? Aber woher denn? Ein Job wie jeder andere. Der eine putzt Fenster oder füllt Karteikarten aus, und der zweite schickt Moslems heim in Allahs Reich. Und Kommunisten natürlich! "Sehen Sie", sagte einer der großbritannischen Söldner, "ich mag nun mal die Kommunisten nicht. Der Bolschewismus – das ist ein Krebsschaden, und einen Krebs schneidet man ’raus. Den muß man killen. Vergessen Sie nicht, ich habe nur gegen Kommunisten gekämpft – was wollen Sie also?"

Mörder von Beruf, Psychopathen, Ehrgeizlinge, Männer, die für Geld und Mädchen zu allem bereit sind, stellten sich vor: Veteranen, die anno ’76 in Angola dabei waren, Troupiers, denen das Soldatenspiel das einzig schöne, einzig männliche Gewerbe ist, wiedererstandene Kolonialoffiziere, für die es kein Weltreich mehr gibt, in dessen Grenzen sie, wie einst in Indien, die verdammten Eingeborenen das Fürchten lehren konnten.

Und keine Ungeheuer dabei, keine Monsters à la Frankenstein – im Gegenteil, bedächtig argumentierende Leute meistens – Bürger der Königin, die vom Killen sprachen, als beschrieben sie einen Weg oder rekonstruierten ein lang-lang zurückliegendes Fußballspiel. "Ich war Soldat, Sir, bin’s immer geblieben – kein schlechter Job im Dienst der Firma John Banks." Da redeten Killer, litaneiartig und wohlüberlegt, wie ältere Angestellte, die sich über das Betriebsklima in einer Waschanlage ergehen – gleichmütig, aufmerksam, höflich; aber dann kam plötzlich, mit einer kaum merkbaren Hebung der Stimme, die Artikulation des Ureigenen: to kill als höchster, ja einziger Begriff, auf dem ein Leben aufgebaut war.

To kill: Keine Ideologie, keine Beschönigung, kein Versuch, Morden zu rechtfertigen. Hier redeten weder christliche Folterknechte, denen es, am Rand der Scheiterhaufen, um die Rettung armer Ketzerseelen zu tun war, noch suchten SS-Männer die Devise ihres Reichsführers "Töten und anständig bleiben – darauf kommt es an" zu begründen. Nein, da gaben in bürgerlicher Umgebung oder im Kneipenmilieu der alten Kameraden unscheinbare Herren die targets an, die man, da Spezialisten immer gebraucht würden, für gutes, aber leider nicht ausreichendes Geld erledigt habe.

Alles o. k.: ein wohlbeleibter rothaariger Herr, Agent in Sachen Mord, unterrichtete über die Praktiken des Anheuerns: Bewerber gäbe es in Hülle und Fülle, in einem Hotel würde von erfahrenen Angestellten die Spreu vom Weizen gesiebt, bis zum Morgen habe während des Ausleseprozessees niemand das Haus zu verlassen, aber Getränke, und Mädchen natürlich, würden selbstverständlich auf die Zimmer gebracht.

Minuten der Wahrheit im Fernsehen, wenige Augenblicke, nachdem die spanische Elf Seppl Pionteks Dänen im Strafstoßschießen besiegt hatte und wieder Ruhe eingekehrt war – Ruhe, in die hinein eine Reihe ehrenwert aussehender Herren Sätze fallenließ, die anzeigten, daß Personal für beliebige Exekutionen im Dienst beliebiger Auftraggeber aus Jedermannsfiguren besteht:"Meine Ehe war kaputtgegangen", sagte ein Killer, "darum habe ich in Angola die Kommunisten erledigt."

Momos