Die vier Beamten des japanischen Finanzministeriums waren sich einig: "Wir leben in einer Zeit, in der man gerade den kleinen Problemen des Handelsverkehrs große Aufmerksamkeit widmen muß", versicherten sie eifrig, und ihre besondere Aufmerksamkeit galt dabei einem Bericht in der ZEIT vom 4. Mai über die deutsche Leistungsschau in Tokio.

Von Ostereiern aus Schokolade war darin die Rede: Das deutsche Bundesministerium für Forschung und Technologie (BMFT) wollte sie an die Messebesucher verteilen, aber sie kamen nie an. Auch die Spielzeugbagger von Mannesmann wurden damals erst in letzter Minute zollamtlich freigegeben. Die Lebkuchenherzen von Thyssen mit der Zuckergußaufschrift "Thyssen – ein Herz für Tokio" vertrockneten auf dem Transport durch die Instanzen in Tokio zu ungenießbarer Härte.

Die vier japanischen Finanzbeamten waren über den Bericht bestürzt. Unter zehn Augen haben sie dem ZEIT-Korrespondenten jetzt ein Dossier gezeigt, in dem der Beschwerde nachgegangen wurde. Das Fazit: "alles Mißverständnisse".

Hier der akribisch genaue Bericht: Am 31.März erreichen fünfzig gußeiserne Spielzeugbagger von Mannesmann den Oi-Peer der japanischen Hauptstadt. Bereits drei Tage später werden sie in den einen Steinwurf entfernt liegenden Container-Frachtterminal gebracht. Dann allerdings gerät der Baggerkonvoi erst einmal außer Sicht, denn ein japanischer Generalimport-Agent übernimmt jetzt die Regie. Er setzt landesüblich Unteragenten ein, denn der Import wird in Japan in Anlehnung an den olympischen Staffellauf organisiert. Da wird die Stabführung immer wieder gewechselt – allerdings nicht so schnell wie im Stadion, und außerdem hält jeder Beteiligte die Hand nicht nur auf, um die Ware in Empfang zu nehmen und weiterzureichen.

Am 18. April hat das Finanzministerium den Vorgang allerdings schon wieder unter Kontrolle: Die fünfzig Bagger werden beim Zoll angemeldet, nur neunzehn Tage nach der Ankunft im Inselreich. Mannesmann deklariert sieben Mark pro Bagger, zahlt insgesamt 3 769 Yen (12,5 Prozent) Einfuhrzoll. Am 19.4. vormittags wird – trotz des Verdachts eines erheblich höheren Importwertes – die Zollschranke gehoben. Die Bagger erreichen auf die letzte Minute genau ihren Bestimmungsort – eine Pressekonferenz von Mannesmann.

Die Zeitabläufe, die die Thyssen-Herzen so verhärtet haben, können sich die Beamten nun gar nicht mehr erklären. Die 36 Pakete voller Herzen kamen auf Tokios Flughafen Narita am 22. April an. Schon zwei Tage später, nach Entrichtung von zwanzig Prozent Zoll (10 bis 600 Yen) stand den Herzen der japanische Markt offen. Warum sie den Stand der Firma Thyssen dennoch erst eine Woche später erreichten, fällt nicht mehr unter ministeriale Kompetenzen. Wo käme man auch hin, wenn man amtlicherseits allen Importagenten auf die Finger sehen wollte?

Die als Fangfrage gedachte Erkundigung nach dem Versteck der Ostereier des BMFT während der gesamten Leistungsschau stößt bei den Herren vom Handelsministerium (MOF) auf Ungnade. Die, so wird versichert, seien nie aktenkundig geworden. Die Transportfirma Schenker hatte sie nach einem ablehnenden Bescheid des Handelsministeriums (MITI) in Tokio erst gar nicht auf die Fernostreise geschickt, ist vom Bonner Forschungsministerium zu hören. Sichdich erleichtert, daß die Ostereier zu keinem Lehrstück über Nippons Importrestriktionen taugen, triumphierte das japanische Beamtenquartett: "Das MITI ist für Einfuhrabwicklungen auch nicht zuständig, das muß man doch wissen."

Helmut Becker