Nun ist also der Wechsel in der Villa Hammerschmidt vollzogen. Während fünf Jahren war Karl Carstens dort Hausherr, ein Bundespräsident, der sich durch ungewöhnliches Augenmaß ausgezeichnet hat: Nie ist es sein Ehrgeiz gewesen, Macht auszuüben oder Politik zu machen, die laut Verfassung anderen vorbehalten ist. In aller Bescheidenheit und ohne jedes Aufheben hat er sein Amt geführt.

Mit Präzision und unbestechlichem Sinn für das Recht des Staates und der Verfassung gelang es ihm, auch den schwierigsten Fall seiner Amtszeit zu bewältigen. Das war im Januar 1983, als er die vorzeitige Auflösung des Bundestages verfügte und Neuwahlen anordnete. Er hatte die Befriedigung, daß seine Entscheidung vom Bundesverfassungsgericht bestätigt wurde.

Der Alt-Bundespräsident hat gezeigt, daß Repräsentation sich nicht darauf beschränkt, auf höchster Ebene die Nation zu versinnbildlichen, sondern daß erst der Kontakt mit allen Schichten des Volkes – wozu seine Wanderungen durch Deutschland eine einzigartige Gelegenheit boten – eine solche Repräsentation ermöglicht. Gerade in dieser Hinsicht hat er dem Amt eine neue Nuance beigefügt.

Und nun beginnt ein neues Kapitel. Ein jüngerer Hausherr ist in die alte Villa Hammerschmidt eingezogen. Ihm schlägt, anders als manchem seiner Vorgänger, ein fast unbegrenztes Maß an Vertrauen entgegen. Vertrauen, das von allen knappen Gütern das rarste ist – aber das weiß Richard von Weizsäcker. Dff.