Entwicklung nicht als einen Rückschlag verstehen, sondern als Chance. Wenn sie die nicht nutzt, dann ist der Durchbruch von Georg Leber um seinen Effekt gebracht. Ich sehe in dieser Vereinbarung ein neues Instrument der Kombination von Tarifvertrag und betrieblicher Regelung. Die muß die IG Metall nutzen. Denn die darin zum Ausdruck kommende Flexibilität ist das arbeitsmärktpolitische Erkennungszeichen der Zukunft. Die Betriebe und die Arbeitnehmer müssen in der Arbeitszeit atmen können. Der Parademarsch ist kein Modell zukünftiger Arbeitszeitregelungen. Wir brauchen eine zivilere Gangart. Die Gewerkschaften werden nur in einer Arbeitsteilung mit den Betrieben überleben, sonst geht die Flexibilisierung an ihnen vorbei. Sie sollten von der katholischen Kirche lernen, die es beispielsweise zu Beginn des 19. Jahrhunderts nicht kapiert hatte, daß sie sich aus dem Monopol der Bildung zurückziehen mußte, weil säkulare Kräfte hier Ansprüche erhoben - mit dem Ergebnis, daß sie aus den; Bil s dungssystem völlig rausgeflogen ist Ähnlich könnte es den Gewerkschaften mit der Tarifpolitik passieren. Wer den Zug der Zeit nicht besteigt, kann auch nicht die Richtung bestimmen.

bar begonnen. Zeigt er sich Ihrer Ansicht nach auch darin, daß die IG Metall nun sogar eine Vorruhestands Vereinbarung traf?

sondere Genugtuung, denn immerhin hat mein Kollege Franz Steinkühler die Vorruhestandspolitik der Bundesregierung mal eine Gesinnungslumperei genannt. Ich begrüße ihn herzlich im Kreis der Gesinnungslumpen.

schaften?

IG Metall. Wenn dieses Modell zum Normalfall der Streiktaktik wird, dann ist das das Ende des Industrieverbands Prinzips, der Beginn der Balkanisierung des Gewerkschaftswesens und die Etablierung des Gruppenegoismus. Die IG Metall hat die baden württembergischen Kolbenhersteller Mahle und Kolbenschmidt mit 7500 Arbeitnehmern bestreikt. Diese 7500 Leute, die fast 100 Prozent des Bedarfs der deutschen Automobilwerke an Kolben decken, sollten die Produktion von 1 6 Millionen Arbeitnehmern der Autoindustrie und ihrer Zulieferer stillegen. Das ist nicht mehr der Schwerpunktstreik, den wir aus vergangenen Zeiten kennen. Der setzte Nadelstiche, mit denen die Arbeitgeber darauf aufmerksam gemacht werden sollten, daß es jetzt ernst wird. Mit der neuen Art von Schwerpunktstreik aber könnte in Zukunft eine Handvoll Arbeitnehmer den Rest der Volkswirtschaft lahmlegen.

beitgeber das Mittel der Aussperrung einsetzen, wie es ja geschehen ist.

aus, daß Aussperrung und Streik quantitativ in einem ausgewogenen Verhältnis stehen müssen. Ich will - Sie haben mich ja als Gewerkschafter gefragt - noch auf eine andere Gefahr hinweisen: Die neue Streiktaktik der IG Metall gefährdet die Einheitsgewerkschaft. Denn es ist ja kaum zu erwarten, daß die streikenden Arbeiter in den Schlüsselstellungen für andere Interessen als ihre eigenen streiken. Erinnern Sie sich an die Fluglotsen, die mit ihren Streikaktionen in den 70er Janren den ganzen Luftverkehr stillegen konnten, weshalb wir sie verbeamtet haben: Es hat bestimmt niemand erwartet, daß sie für die Toilettenfrauen auf dem Frankfurter Flughafen gestreikt hätten - es ging ums eigene Interesse. So auch jetzt - und so entsteht eine neue Arbeitnehhjer Hierarchie. Privilegiert werden die sein, die kampffähig sind - etwa die 7500 Kolben Arbeitnehmer. Das führt zur Auflösung der großen Leistungen der Gewerkschaften in der Nachkriegszeit, nämlich des Ausgleichs zwischen divergierenden Arbeitnehmer Interessen.