Rückblick auf eine schwierige Mission

Von Kurt Biedenkopf

Die Mitglieder einer freien Gesellschaft müssen die Möglichkeit haben zu wählen, ob sie die gewachsene Leistungskraft ihrer Wirtschaft für eine Erhöhung der Einkommen der Arbeitenden, für die Bildung von Kapital oder für eine andere Verteilung der vorhandenen Arbeit verwenden wollen. Um die dritte Alternative wurde im jetzt zu Ende gehenden Tarifkonflikt in der Druck- und Metallindustrie gerungen. Die Bedingungen für eine tragfähige Antwort waren nicht günstig. Die Gewerkschaften hatten den Konflikt mit unerfüllbaren Forderungen eröffnet. Selbst ihre Mitglieder hatten Vorbehalte. Der Arbeitskampf hatte starke politische Obertöne. Die Bevölkerung lehnte ihn ab.

Dann bissen sich die Unternehmer fest. Forderung und Ablehnung wurden dogmatisiert. Als die Fronten sich bewegten, lag viel emotionaler Schutt auf den Verhandlungstischen. Er ist noch lange nicht abgetragen.

Die Aufgabe

In der Sache ging es um eine Antwort auf die Frage: Läßt sich Angebot und Nachfrage nach Lohnarbeit bei gegebenem Produktivitätsfortschritt, in den Grenzen des erreichbaren Wirtschaftswachstums und angesichts der vorgegebenen Bevölkerungsentwicklung auch durch eine Verringerung des Arbeitsvolumens und größere Beweglichkeit der Arbeitszeit ausgleichen?

Vollbeschäftigung oder Arbeitslosigkeit hängen von mehreren Faktoren ab: Dem Wachstum der Wirtschaft, der Zunahme der Produktivität der Arbeit, der Zahl der Menschen, die arbeiten oder Arbeit suchen, der Arbeitszeit.