Auf der multilateralen Umweltkonferenz in München einigten sich 31 Staaten aus Ost und West über die Minderung der grenzüberschreitenden Luftverschmutzung. Nicht alle übernahmen dabei konkrete Verpflichtungen.

Achtzehn Länder verpflichteten sich, entweder den Gesamtausstoß oder nur den Export von Schadstoffen (Schwefeldioxyd und Stickoxyde) um 30 Prozent bis 1993 zu verringern. Dem "30-Prozent-Club", der den Gesamtausstoß verringern will, gehören seit der Ottawa-Konferenz vom März 1984 schon Kanada und neun westeuropäische Länder an, darunter die Bundesrepublik. In München übernahmen nun auch Belgien, Liechtensteh und Luxemburg dieselbe Zielvorgabe.

Die Sowjetunion, die DDR und Bulgarien verpflichteten sich lediglich zur Beschränkung ihres grenzüberschreitenden Schadstoffausstoßes. Inoffiziell hat die DDR aber ihre Bereitschaft angedeutet, ihren Gesamtausstoß um 30 Prozent zu senken. Weitere Staaten einschließlich der USA und Großbritannien erklärten lediglich ihre Bereitschaft zur Schadstoffbegrenzung.

An der Münchner Konferenz über "Ursachen und Verhinderung von Wald- und Gewässerschäden durch Luftverschmutzung" nahmen die Unterzeichnerstaaten der Genfer Konvention zur Luftreinerhaltung von 1979 teil. Fast wäre die einstimmige Abschlußerklärung noch am Drängen der sozialistischen Staaten gescheitert, das Wettrüsten als Mitverantwortlichen für die Umweltverschmutzung zu brandmarken. Man einigte sich auf die Kompromißformel, daß Friede und Abrüstung für die Erhaltung der Umwelt wesentlich seien.

Als "kostbar" bezeichnete der kanadische Umweltminister Charles Caccia den Erfolg der Konferenz. Der umweltpolitische Sprecher der SPD, Volker Hauff, erklärte jedoch, der Begriff der "grenzüberschreitenden" Luftverschmutzung sei Augenwischerei; man müsse vom Gesamtausstoß ausgehen. Sonst sei ungewiß, auf welche Menge sich die 30 Prozent beziehen. Daher gebe er der Umweltschutzorganisation BUND recht, die das Ergebnis als "dürftig" kritisierte. Ekkehard Klausa