Vernunftbegabte Militärs haben dem Lehrsatz des Generals von Clausewitz längst abgeschworen, daß Krieg die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln sei. Unangefochten gilt das Theorem nur noch an der demokratischen Tariffront: Was sich nicht erhandeln läßt, muß erstreikt werden.

Ob der Streik wirklich die nächstliegende und nicht nur die äußerste Lösung in einem Grundsatzstreit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern – wie jetzt um die 35-Stunden-Woche – sein kann, ist im Arbeitskampf der Metallindustrie zweifelhaft geworden wie nie zuvor.

Die Gewerkschaft bestreikte nach bewährtem Muster Betriebe in einem geographisch, aber nicht der Sache nach begrenzten Bereich. Um die Sache ging es jedoch überall – mit der Folge, daß Zehntausende von Nichtkämpfern arbeitslos wurden, weil ihre Arbeitgeber beim besten Willen nicht weiterproduzieren konnten.

Wer bezahlt den mittelbar erzwungenen Arbeitsausfall – die Gewerkschaft, die es nicht kann, oder die Solidargemeinschaft aller Steuer- und Sozialversicherungszahler, die es so nicht will? Die Frage ist, wie konnte es in Deutschland anders sein, den Gerichten zur Entscheidung vorgelegt worden – und nun in letzter Instanz dem Bundesverfassungsgericht.

Dieses hat sich, solange der Metallarbeiter-Streik anhielt, weise zurückgehalten. Nun, da er zu Ende ist, muß es sein Urteil fällen. Eines scheint jetzt schon unausweichlich: daß Streiks nicht vom Steuerzahler subventioniert werden dürfen. Denn darauf liefe die Forderung der Gewerkschaft hinaus, die Bundesanstalt für Arbeit möge den Lohnausfall in nicht bestreikten Betrieben ersetzen. Wenn das Gericht hier keine klare Schranke setzt, liefert es einen schier unüberwindlichen Anreiz, Streiks wie den der vergangenen Wochen zum Regelfall zu machen. H. Sch.