Todeskommandos

Mit drakonischer Härte will der philippinische Präsident Ferdinand Marcos die Kriminalität in den öffentlichen Verkehrsmitteln Manilas eindämmen. Er reaktivierte die berüchtigte, tausend Mann starke Truppe der "geheimen Marschälle", die sich überwiegend aus paramilitärischen Polizeieinheiten rekrutiert. In Zivilkleidung und mit Maschinenpistolen ausgestattet, verbreiteten die Polizei-Kommandos schon im Herbst 1982 in Manilas Bussen Angst und Schrecken. Denn statt, wie es ihrem offiziellen Auftrag entsprochen hätte, Taschendiebe und Räuber durch gezielte Schüsse lediglich an der Flucht zu hindern, erschossen sie gleich in der ersten Woche 45 angebliche Kriminelle vor den Augen entsetzter Passagiere. Das blutige Schauspiel scheint sich jetzt zu wiederholen: Innerhalb von zwei Tagen töteten die "geheimen Marschälle" auf offener Straße fünf Verdächtige durch Schüsse in die Brust und in den Kopf.

Freifahrtschein

Auf das Erscheinungsbild ausländischer Diplomaten in Großbritannien ist ein Schatten gefallen, nicht erst durch die Schüsse aus dem libyschen "Volksbüro". Vergewaltigung, Erpressung, tätliche Angriffe auf die Polizei: Im Durchschnitt einmal pro Woche verübt ein Mitglied der diplomatischen Gemeinschaft in London ein Verbrechen dieses Kalibers. Diese Bilanz zog das britische Außenministerium jetzt nach einer Anfrage des konservativen Abgeordneten Bowen Wells für die letzten zehn Jahre. 546 ernsthafte Gesetzesbrüche, für, die ein britischer Staatsangehöriger mindestens secns Monate ins Gefängnis wandern würde, registrierte die Londoner Polizei seit 1974. Hunderte Ladendiebstähle blieben ungeahndet. Die Täter genießen nämlich nach der Wiener Konvention diplomatische Immunität. Die Straßenverkehrsordnung ist den Gästen der Regierung Ihrer Majestät, die sich offenbar im Besitz eines diplomatischen Freifahrtscheins wähnen, vollkommen schnuppe: Mehr als 700 000 Strafmandate für verbotenes Parken blieben unbezahlt.

Ein Ostdeutscher

Befriedigt meldet der Deutschland-Union-Dienst, ein vom CDU-Bundesvorstand herausgegebener Pressedienst der Union, daß bei der Europawahl am 17. Juni "erneut bewährte ost- und mitteldeutsche Politiker der CDU/CSU zu Abgeordneten gewählt" wurden. Sieben Namen nennt der DUD. Sollte das Blatt demnächst im Straßburger Parlament kursieren, werden die Fine Gael-Abgeordneten aus Irland und die Vertreter der Nea Demokratia vom Peloponnes erfahren, daß ihr Fraktionsgenosse Egon Klepsch nicht nur Rheinland-Pfälzer, sondern auch Sudetendeutscher ist, während Wilhelm Hahn nicht nur das angrenzende Baden-Württemberg, sondern auch das ferne Estland in Straßburg repräsentiert. Bei sechs der sieben "Ost- und Mitteldeutschen" verzeichnet der DUD die ursprüngliche Heimat. Ost- und Mitteldeutscher ohne besonderen Zusatz ist dagegen der CSU-Abgeordnete Dr. Otto von Habsburg. Wo der geboren ist, weiß ja eh jeder. Daß er darum Ostdeutscher oder Mitteldeutscher ist, wird nicht nur ihn selbst wundern.

Der indianische Sacharow

Gegen die Sacharow-Kampagne im Westen operiert die sowjetische Propaganda mit einem altbewährten Mittel: der Retourkutsche. Vier sowjetische Nobelpreisträger haben öffentlich an Ronald Reagan appelliert, "die Menschlichkeit zu beweisen, die Sie von anderen verlangen". Es geht ihnen um einen amerikanischen Häftling im Hungerstreik. "Seine Tage scheinen gezählt zu sein. Bitte, beenden Sie die Verletzung der Menschenrechte in ihrem eigenen Land, im Staat Missouri, wo ihr Landsmann Leonard Peltier stirbt." Der Indianer Leonard Peltier verbüßt eine lebenslange Haftstrafe; er soll 1975 bei einer Schießerei in einem Indianerreservat zwei FBI-Beamte erschossen haben. Weil er sich im Gefängnis in seiner Religionsausübung eingeschränkt fühlt, begann er im April einen Hungerstreik, den er – so berichtet seine Rechtsanwältin – nach sechs Wochen abbrach, als die Gefängnisbehörden ankündigten, sie würden ihn zwangsernähren.