Über die Hälfte aller Urlauber an der italienischen Riviera sind deutschsprachig. Entsprechend groß ist bei jungen Leuten dort das Interesse am Deutschunterricht. Trotzdem ist das Angebot an den staatlichen Schulen zwischen Alassio und La Spezia mager.

Das Goethe-Institut in Genua, zuständig nicht nur für die Verbreitung der deutschen Kultur in Italiens größter Hafenstadt, sondern auch für die Betreuung und Fortbildung von Deutschlehrern, machte bei einer Tagung auf die traurige Tatsache aufmerksam, daß die jungen Ligurer zwar gerne Deutsch lernen würden, das Angebot an den staatlichen Schulen jedoch ständig geringer wird. Ein bedauerlicher Umstand, vor allem, wenn man das Bild vor Augen hat, das das Marplan-Institut 1982 in einer Umfrage von den deutschen Italien-Urlaubern entworfen hat.

Diese haben zu 60 Prozent nur Volkschulbildung, sprechen keine Fremdsprache und fühlen sich nicht wohl in Ländern, in denen sie sich nicht verständigen können.

Das Unvermögen, sich in der Landessprache ausdrücken zu können, hemmt häufig auch den Reisedrang. Bei der erwähnten Untersuchung gaben 37 Prozent der Befragten an, ein Land, in dem man Verständigungsschwierigkeiten habe, käme als Urlaubsziel nicht in Frage. Für 56 Prozent aller Urlauber mit Volksschulbildune ist es wichtig, ja urlaubsentscheidend, daß im Ausland Deutschkenntnisse vorhanden sind.

Indes, nicht jeder Kellner an der Riviera spricht deutsch. Eher, so konstatierte ein Deutschlehrer, finde sich in Süditalien ein Einheimischer, mit dem man deutsch parlieren könne, weil er Gastarbeiter in Germania war, als in Ligurien. Obwohl dort durchaus Interesse an Unterricht besteht. Das zeigt nicht nur die Nachfrage bei den Kursen des Goethe-Instituts, sondern auch bei privaten Schulen, die Deutschunterricht anbieten.

In der Region Trentino/Alto Adige kommt eine Planstelle für Deutschlehrer auf 16 000 Einwohner. An zweiter Stelle rangiert die Emilia Romagna (mit den "Teutonengrills" der Adria). Die Provinz Ligurien, mit großen Ferienorten wie Bordighera, Alassio, San Remo, Finale Ligure liegt mit einer Planstelle pro 66 000 Einwohner auf dem wenig rühmlichen siebten Platz dieser Skala.

Der Grund für die Misere: Viele Eltern, behaftet mit Ressentiments gegen die Deutschen, sehen es lieber, wenn ihre Kinder Englisch statt Deutsch lernen, glauben außerdem, daß diese Weltsprache dienlicher fürs Leben sei. Zum anderen sind Planstellen mit Französischlehrern besetzt und werden vor deren Pensionierung für den Deutschunterricht nicht frei.