DIE ZEIT

Diffamierung

Der Druck auf die Regierung, den Paragraphen 218 zu verschärfen, ist groß. Abgeordnete bekommen ihn von ihrer katholischen Basis zu spüren, in Ministerohren tönt der Bonner Lobbyistenchor, aus den eigenen Reihen drängt eine radikale Minderheit, lauter Männer, auf Streichung der Krankenkassenfinanzierung bei Abtreibung in einer schweren Notlage.

Neuer Kredit

Noch ist offen, was an menschlichen Erleichterungen unter Dach und Fach sein wird, wenn Erich Honecker Ende September in die Bundesrepublik kommt.

Ein Anfang

In Beirut ziehen die tödlich verfeindeten Freischärler aus der Stadt ab. Sie machen regulären Soldaten Platz. Die Front zwischen Christen und Muslimen verschiebt sich nicht, aber auf beiden Seiten tragen die Bewaffneten jetzt dieselbe Uniform, sind demselben Oberkommando verpflichtet und demselben Ziel, dem Ende des neunjährigen Bürgerkrieges.

Schwäre Sprak

Die Jugend liest nicht – und wenn sie schreibt, dann falsch: so lautet das gängige Klischee; die Seminararbeit des Germanistikstudenten mit dem Titel "Nathan der Waise" ist inzwischen fast so ein Klassiker wie der Autor des falsch buchstabierten Stücks.

Die Barrikaden sind geräumt

Was hinter uns liegt, hat weh getan, sagt Georg Leber, der Mann, dem die Beendigung des längsten und härtesten Arbeitskampfes in der Geschichte der Bundesrepublik zu danken ist.

Katholikentag: Der Bischof tanzte nicht

Nein, nein, hatte Johann Baptist Metz vorher am Telephon gesagt: Er fallre diesmal nicht zum Katholikentag. Die ungeheure, unüberschaubare Fülle führe ja doch nur dazu, daß sich so vieles und Wichtiges geistig neutralisiere.

Zeitspiegel

Ein Hauch von Ewigkeit, der sogar dicke Luft im Vatikan dünn macht, verlangt dort von Botschaftern langen Atem. Den hatte Walter Gehlhoff, der klug und behutsam nicht nur zerschlagenes Porzellan aus der Zeit seines Vorgängers zu kitten verstand, sondern zum Abschied nach sechs Jahren Sympathiebekundungen des Papstes hörte, die weit über Protokollarisches hinausgingen.

Worte der Woche

"Mein Besuch in der Bundesrepublik Deutschland wird Aufschluß darüber geben, was die dort verantwortlichen Politiker tun, damit auch die BRD einen Beitrag leistet, daß von deutschem Boden nie wieder ein Krieg ausgeht.

Wolfgang Ebert: Schuldenzahlen – argentinisch

Ein Mann namens Larsen hatte Schulden-Probleme mit seiner Bank. Er nahm sich einen argentinischen Schuldenberater, gelten sie doch unter ihren lateinamerikanischen Fachkollegen als die versiertesten.

Achtzehn Monate hat Roger de Weck, 1953 im schweizerischen Fribourg geboren, in der Bundesrepublik verbracht Ab 1. August wird er als Frankreich-Korrespondent aus Paris für DIE ZEIT berichten. Hier schildert er die Eindrücke dieser anderthalb Jahre.: Die bedrückte Republik

/ Von Roger de Weck im Sommer, der auf sich warten ließ und nun mit sengender Kraft alles wiedergutmacht. Die kleine Straße schlängelt, sich durch das Grün der Rapsfelder, hin und wieder erinnert ein gelber Tupfer an vergangene Pracht.

Das Geschäft mit dem Westen

Einen Kredit von 950 Millionen Mark kann die DDR immer gut gebrauchen. Aber es wäre falsch zu glauben, daß Ost-Berlin jetzt händeringend Devisen sucht, um seinen Verpflichtungen nachkommen zu können.

RAF-Festnahmen: Ein Schuß durch die Decke

Die "Rote Armee Fraktion" (RAF), so scheint es, ist auch nicht mehr, was sie einmal war. Vor einem Dutzend Jahren, im Frühsommer 1972, hatten die Gründungsmitglieder der einstigen Baader-Meinhof-Gruppe, Andreas Baader, Holger Meins und Jan Carl Raspe, der Polizei eine kleine Straßenschlacht geliefert, ehe sie im Frankfurter Westend festgenommen werden konnten – Meins bis auf die Unterhose nackt.

Sicherheitspolitik: Es ächzt im Gebälk der Allianz

Bundesverteidigungsminister Manfred Wörner muß in Washington, wohin er Mitte dieser Woche zu einer fünftägigen Reise aufgebrochen ist, auf ein höchst zwiespältiges, im ganzen eher spannungsreiches Gesprächsklima gefaßt sein.

Beirut: Gefährdeter Waffenstillstand

In Beirat hat die reguläre Armee des Libanon im Namen der Regierung der nationalen Einheit die Kontrolle übernommen. Der neunjährige Bürgerkrieg scheint wenigstens für die libanesische Hauptstadt beendet.

BONNER BÜHNE: Rotieren um die Rotation

Wenn überhaupt jemand zufrieden nach dem Ende der Spielzeit des Bonner Parlaments in eine wohlverdiente Sommerpause abtreten dürfte, dann wären es die Grünen.

ZEIT und Reichstagsbrand

Im September/Oktober 1979 veröffentliche DIE ZEIT unter der Überschrift "Geschichte aus der Dunkelkammer/Kabalen um den Reichstagsbrand/Eine unvermeidliche Enthüllung" ein vierteiliges Dossier von Karl-Heinz Janßen.

London: Entführung per Luftfracht

Wäre Nigeria nicht im Commonwealth und könnte es nicht im Opec-Öl-Laden ein großes Wort führen, seine gesamte Londoner Botschaft wäre längst heimgeschick worden.

NAMEN UND NACHRICHTEN

Zehn ausländische Priester sind von der sandinistischen Regierung Nicaraguas des Landes verwiesen worden. Sie hatten sich an einem Solidaritätsmarsch zugunsten eines "konterrevolutionärer" Kontakte verdächtigten Paters beteiligt.

Familientreffen

Spätestens seit 1914 haben die Deutschen es schwer mit ihrer Geschichte; spätestens seit 1915 auch mit ihrer Geschichtsschreibung.

Kokerei: Benzol im Sand, Phenole im Urin

Wenn der dreijährige Oliver vom Spielplatz nach Hause kommt, dann fragt ihn seine Mutter zuweilen, ob er in der Sandkiste wieder "Kuchen backen" gespielt habe.

Offizier unter Forschern

Die Führungsakademie in Hamburg-Blankenese gil: zu Recht als oberste Bildungseinrichtung der Bundeswehr. In ihren zahlreichen, durch militärfachliche Anforderungen der Teilstreitkräfte (Heer, Luftwaffe und Marine) bestimmten Lehrgängen behandelt sie auch betriebs- und sozialwissenschaftliche sowie sicherheitspolitische Fragen, um in- und ausländische Lehrgangsteilnehmer auf ein breites Spektrum von Führungsaufgaben vorzubereiten.

Soldat für den Frieden

Im Jahr 1967 nahm Wolf Graf Baudissin seinen Abschied von der Bundeswehr. Er war zuletzt als Generalleutnant stellvertretender Chef des Generalstabs der Nato gewesen.

Sicher zwischen den Stühlen

Jeden Mittwoch um 16.00 c.t. findet sich im Raum 230 des "Pferdestalls", wie der Bau genannt wird, in dem das Institut für Politische Wissenschaften der Universität Hamburg untergebracht ist, eine Gruppe von Studenten zusammen, um über sicherheitspolitische Fragen zu diskutieren.

Was soll das Kabel?

Die "väterlichen Ermahnungen" des Bundeskanzlers, er solle sich um ein besseres Image seiner Bundespost kümmern, hat Christian Schwarz-Schilling offenkundig falsch verstanden.

Bonner Kulisse

Die parlamentarische Debatte um die Kabelpläne von Postminister Christian Schwarz-Schilling ist trotz der Bundestags-Kontroverse kurz vor Beginn der Parlamentsferien nicht beendet.

Druckindustrie: Leber stand Pate

Am Schluß standen wie immer versöhnliche Worte, doch zu einem Händedruck mußten die beiden Kontrahenten Manfred Beltz Rübelmann und Erwin Ferlemann, die Verhandlungsführer der Arbeitgeber und der IG Druck, erst ermuntert werden.

Börsen-Report: Auf abschüssiger Bahn

Der Aktienmarkt hat die zu Beginn dieses Jahres in ihn gesetzten, hoch gesteckten Erwartungen nicht erfüllt. Die im August 1982 begonnene Aufwärtsbewegung setzte sich nur bis zum Februar 1984 fort.

Zeit spart Geld

Die Bayerische Hypotheken- und Wechselbank in München bietet zur Zeit Beteiligungen an dem Motorschiff "Alcedo" an, das für die nächsten vier Jahre an die kanadische Bathurst-Gruppe verchartert ist.

Metallindustrie: Ein ganz besonderes Verhältnis

Tiefen Respekt" bezeugte BMW-Chef Eberhard von Kuenheim in der Hauptversammlung der Bayerischen Motoren Werke in München dem Gesamtbetriebsrat und vor allem dem Vorsitzenden, Kurt Golda, für sein verantwortungsvolles Handeln in den schwierigen Streikwochen: "Wir haben stets Ihre Klarheit und Ihren Weitblick bewundert.

Siemens: Denkzettel für enttäuschte Liebe

Der größte private Arbeitgeber in der Bundesrepublik wird in den nächsten fünf Jahren voraussichtlich mit einem Arbeitsdirektor operieren, der die Mehrheit der "Arbeitnehmerbank" im Aufsichtsrat gegen sich hat.

Bundeshaushalt: Risiken bei der Rüstung

Disziplin auf der Ausgabenseite des Haushaltsentwurfs 1985 wird man Finanzminister Gerhard Stoltenberg nicht absprechen können – zumindest soweit es sich um das nackte Zahlenwerk seines vom Kabinett gebilligten Etats handelt.

Österreich: Der stille Pakt

Heimlich, still und leise hielt in Österreich die 38-Stunden-Woche Einzug. Während im deutschen Nachbarland die Drucker für die 35-Stunden-Woche auf die Barrikaden gingen, hatten es ihre österreichischen Kollegen einfacher: Ab April nächsten Jahres werden Arbeiter und technische Angestellte des graphischen Gewerbes nur noch 38 Stunden pro Woche arbeiten; die Kosten für diese Arbeitszeitverkürzung teilen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

US-Quellensteuer: Weg mit Gewinn

Der Höhenflug des Dollar ist nicht allein mit der vorausgegangenen Erhöhung der amerikanischen Kreditzinsen und der Erwartung weiterer Steigerungen zu erklären.

Subventionen: Neuer Sündenfall

Spät, aber leider nicht zu spät, droht uns wieder eine Subvention: Bundesinnenminister Zimmermann möchte erreichen, daß vom nächsten Jahr an umweltfreundlichere Autos durch direkten Kaufanreiz gefördert werden sollen.

Die Probleme bleiben

ZEIT: Die Bundesregierung will aus der bisherigen Schlechterstellung der Alleinerziehenden von Kindern Konsequenzen ziehen, nachdem sie vom Bundesverfassungsgericht dazu aufgefordert worden ist.

Wettbewerbsrecht: Forschen im Kartell?

Hier wurde der freie, Wettbewerb zwar übereinstimmend gepriesen und von allen hoch gelobt, doch kein Staat verzichtet auf staatliche Interventionen", so lautete das spöttische Fazit, das Sir Godfray Le Quesne, Chef der britischen Monopolkommission, am Ende einer zweitägigen Internationalen Kartellkonferenz in Berlin zog.

MANAGER UND MÄRKTE

Die diesjährige Hauptversammlung der Deutschen Bank, am 17. Mai 1984, war die letzte, die Franz Heinrich Ulrich als Vorsitzender des Aufsichtsrates geleitet hat.

Deutscher Müll

Wie verlogen ist unser Leben in der Bundesrepublik. Da kann der Bundesinnenminister immer "härtere" Gesetze für arme Ausländer fordern; aber wenn ein Dramatiker in einem Bühnenstück einen "reichen Juden" auftreten läßt, der sagt: "Ich kaufe alte Häuser in dieser Stadt, reiße sie ab, baue neue, die verkaufe ich gut", dann wird die Uraufführung verhindert.

Das Prinzip "Außerdem"

Fritz J. Raddatz: Am Ende Ihres Essays "Neue Widerlegung der Zeit" gibt es einen so bewegenden wie komplizierten Satz: "Die Welt ist – unseligerweise – wirklich; ich – unseligerweise – bin Borges.

"Weiterschreiben!"

In einen weißen Himmel ragt schwarz auf steilem Fels die Burg Hochosterwitz. Davor auf seinem Roß der Ritter, die Lanze in den kleingedruckten Text gereckt: Erwachsene Schilling 60, Kinder die Hälfte.

Zeitmosaik

"Ich war das Opfer einer Verschwörung ... Ich habe ein Komplott zwischen einem Wiener Journalisten und dem österreichischen Minister für Unterricht und Kunst aufgedeckt.

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