Die diesjährige Hauptversammlung der Deutschen Bank, am 17. Mai 1984, war die letzte, die Franz Heinrich Ulrich als Vorsitzender des Aufsichtsrates geleitet hat. Er hat den Vorsitz, 74jährig, aus gesundheitlichen Gründen abgegeben. Der Aufsichtsrat wählte Hans L. Merkle, den Vorsitzenden der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH in Stuttgart zum neuen Vorsitzenden.

Mit Merkle, der seit vielen Jahren im Aufsichtsrat der Deutschen Bank sitzt, ist eine Übung unterbrochen worden, die rückschauend beinahe wie eine Gesetzmäßigkeit aussieht. Immer wurde der Sprecher des Vorstandes nach Erreichen der Altersgrenze von 65 Jahren in den Aufsichtsrat gewählt und hat dort den Vorsitz übernommen. So war es, als Hermann J. Abs den Vorstand verließ. Es wiederholte sich, als Ulrich nach Erreichen des 65. Lebensjahres aus dem Vorstand in den Aufsichtsrat überwechselte.

Nach einem ungeschriebenen Gesetz ziehen sich Aufsichtsratsmitglieder mit 75 Jahren aus dem Aufsichtsgremium zurück. Diese Altersgrenze wird Ulrich im nächsten Jahre erreichen. Hätte er seine Pflichten als Vorsitzender des Aufsichtsrates bis zur Hauptversammlung im Jahre 1985 beibehalten, dann hätte die Nachfolge wieder nach dem bekannten Muster geregelt werden können. Denn Wilfried Guth, einer der beiden Vorstandssprecher, vollendete am 8. Juli 1984 sein 65. Lebensjahr. Nach den Gepflogenheiten der Bank wird er den Vorstand mit Ablauf der Hauptversammlung, die der Vollendung seines 65. Lebensjahres folgt, verlassen – das wird etwa im Mai 1985 sein. Dann erst kann er in den Aufsichtsrat gewählt werden.

Ob er dann zum Vorsitzenden gewählt wird, ist eine Frage, die allein der jetzige Vorsitzende Merkle zu entscheiden haben wird. Merkle, eine der profiliertesten deutschen Managerpersönlichkeiten, ist freilich kein Mann des Übergangs. Er wird wohl über die volle Amtszeit von fünf Jahren dem Aufsichtsrat Vorsitzen.

Ob das Sprecheramt im Vorstand nach dem Überwechseln Guths in den Aufsichtsrat von F. Wilhelm Christians (der sich die Aufgabe gegenwärtig mit Guth teilt) allein: wahrgenommen wird, ist zur Zeit eine Frage reiner Spekulation. Als Karl Klasen, der mit Ulrich gemeinsam Sprecher des Vorstandes war, 1978 an die Spitze der Bundesbank wechselte, blieb Ulrich alleiniger Vorstandssprecher. Christians könnte auf dieses historische Beispiel verweisen. Sollte der Vorstand aber an der Zweierlösung festhalten wollen, hat wohl Alfred Herrhausen die größten Chancen, als zweiter Sprecher an die Seite Christians zu treten.

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