Von Klaus Viedebantt

Knock/Irland

Monsignore James Horan, der Priester von Knock, hat ein himmelstürmendes Lebensziel: Sein 400-Seelen-Dorf in der westirischen Grafschaft Mayo soll einen Flughafen bekommen – im Jumbo-Format, damit die großen Vögel aus den USA direkt einfliegen können, zum "Knock down", wie die Spötter in der Hauptstadt Dublin sagen.

Das Flughafen-Vorhaben hätten sie vermutlich längst als "Irish Joke" (eine US-Variante der Ostfriesenwitze) abgetan, wäre Monsignore nicht ein außergewöhnlich hartnäckiger Streiter für den Herrn. Davon zeugt nicht nur die von ihm betriebene Visite des Pontifex Maximus in Knock (während der päpstlichen Irlandreise 1979), sondern vor allem eine wohlbetonierte Start- und Landebahn inmitten der lieblichen Weidelandschaft von Mayo, ein Dutzend Kilometer entfernt von Knock.

Der Ortsname, der Lästerzungen zu manch unfrommem Scherz verleitet, hat unter Irlands Katholiken (das sind 94 Prozent der Bevölkerung) einen heiligen Klang. Am 21. August 1879, an einem regnerischen Morgen, erschienen die Gottesmutter, ihr Gefährte Joseph und Johannes der Täufer an der äußeren Giebelwand der schlichten Gemeindekirche von Knock; fünfzehn Augenzeugen beeideten das Wunder, das nach diversen kirchlichen Prüfungsprozeduren als "Erscheinung" den höchsten römischen Segen fand.

Dieses kirchengeschichtlich junge Mirakel – der nahegelegene Berg des Nationalheiligen Patrick war rund 1500 Jahre zuvor die Bußstätte des Bekehrers der gälischen Heidenscharen – verhalf dem armseligen Nest im abgelegenen Westen zu Ruhm und Wohlstand. Bereits wenige Wochen nach dem wunderbaren Ereignis reisten die ersten Gläubigen und Pilger in Kutschen und auf Eselskarren an. Die Kunde von Wunderheilungen machte schnell und weltweit die Runde. Erzbischof Murphy aus Hobart im australischen Tasmanien reiste um den halben Globus, kratzte Mörtel von der Kirchenwand, legte ihn auf seine Augen und ward geheilt von seiner Blindheit.

Nicht nur die bald kahlgekratzte Giebelwand machte bauliche Maßnahmen notwendig, auch Zehntausende von Pilgern wollten fortan versorgt sein. Der kleine Ort wuchs über sich hinaus. Rings um das unansehnliche Kirchlein entstanden Wonnheime, Devotionalienhandlungen, Verpflegungsstätten, ärztliche Zentren, Parkplätze und Toilettenanlagen. Aus den Gemeindehirten, die zuvor eine kleine überschaubare Seelenherde zu betreuen hatten, wurden nolens volens Manager religiöser Großbetriebe. Die Pilgerzahlen summierten sich auf jährlich fast eine Million Menschen.