Die Führungsakademie in Hamburg-Blankenese gil: zu Recht als oberste Bildungseinrichtung der Bundeswehr. In ihren zahlreichen, durch militärfachliche Anforderungen der Teilstreitkräfte (Heer, Luftwaffe und Marine) bestimmten Lehrgängen behandelt sie auch betriebs- und sozialwissenschaftliche sowie sicherheitspolitische Fragen, um in- und ausländische Lehrgangsteilnehmer auf ein breites Spektrum von Führungsaufgaben vorzubereiten. Außer dieser Akademie stehen den Streitkräften noch mehr als 90 Schulen und Ausbildungseinrichtungen zur Verfügung.

Darüber hinaus ist die Hardthöhe ganz unabhängig von der Couleur des jeweils amtierenden Ministers darauf bedacht, den Soldaten Arbeits- und Lernfelder auch außerhalb der gemeinhin als militärisch definierten Tätigkeiten zu erschließen. Dazu gehören beispielsweise die von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtete Entsendung in die Industrie und andere zivile Bereiche. Der wissenschaftliche Beratungsdienst des Bundestages, die Fraktionsstäbe im Parlament und das Londoner Institut für Strategische Studien sind nur einige Beispiele dafür.

Auch im Hamburger Institut für Friedensforschung (IHSH) arbeiten seit nunmehr über zehn Jahren Offiziere der Bundeswehr mit. Die Initiative für die mittlerweile zur Tradition gewordene Einrichtung ging von dem Mann aus, der in wenigen Tagen das Institut am Falkenstein verläßt, um sich künftig ganz auf seine Tätigkeit an Universität, Bundeswehrhochschule und in verschiedenen internationalen Arbeitskreisen zu konzentrieren.

Wie meine neun Vorgänger kam ich unmittelbar nach Abschluß der zweijährigen Generalstabsausbildung an der Führungsakademie zum Institut am Falkenstein. Nach dem Studium war dies meine zweite dienstliche Tätigkeit "draußen". Dieses Mal bestand der besondere Reiz darin, täglich und unmittelbar mit jemandem zusammenzuarbeiten, dessen Streitkräfte- und Strategieverständnis mir bislang nur mittelbar und als Gegenstand unzähliger Streitgespräche zwischen Anhängern der militärischen Reformer und Anhängern der militärischen Traditionalisten begegnet war. Daneben stellte die Arbeit an militärisch relevanten Themen in einem nicht-militärischen Umfeld die entscheidende Herausforderung dar. Es war für mich beeindruckend zu erleben, mit welcher vorbehaltlosen Aufgeschlossenheit die mittlerweile auch selbstkritische Friedensforschung den Offizier in ihren Reihen aufnahm. Ich bin nicht ganz sicher, ob dies umgekehrt bereits in gleicher Ungezwungenheit möglich wäre.

Für den 1967 in den Ruhestand verabschiedeten General, der das Konzept der Inneren Führung begründete, war es, seit er vor 16 Jahren an die Universität Hamburg überwechselte, von ausschlaggebender Bedeutung, den durch vielfältige gegenseitige Vorurteile blockierten Dialog zwischen den Streitkräften und der Friedensforschung zu eröffnen und mitzugestalten. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, daß sich zu dem bislang mit dem Namen Baudissin verbundenen Vorwurf der dysfunktionalen Zivilisierung der Armee nun auch noch die ebenso unbestätigte Befürchtung einer Militarisierung von Forschung und Lehre hinzugesellte.

Die von Graf Baudissin beabsichtigte stärkere Einbeziehung von Offizieren in die Auseinandersetzung mit politischen Problemen moderner Strategie (so der Ansatz seiner ersten Lehrveranstaltung) erfolgte zunächst eher zufällig. Offiziere der Führungsakademie suchten zu dem seit 1961 sorgsam von Bonn und einer unmittelbaren Einwirkung auf die Streitkräfte ferngehaltenen General a. D. Verbindung, als dieser im November 1968 einen Lehrauftrag an der Hamburger Universität übernahm. Aus der zunächst auf privater Ebene entstandenen Zusammenarbeit mit seinen militärischen Gasthörern entwickelte sich fast von selbst die Idee, die Mitarbeit eines Offiziers am Institut zu einer festen Einrichtung zu machen – was seit 1973 geschieht.

Was hat das Institut, was haben die Streitkräfte, was hat der betroffene Offizier von einer solchen Regelung? Gewiß könnten alle drei auch ohne diese Institutionalisierung leben – richtig ist aber ebenfalls, daß alle drei dann Verluste hinnehmen müßten.