Seit einem halben Jahrhundert setzen die "Paradores Nacionales" Maßstäbe für spanische Gastlichkeit.

Einerseits – es ist ein Erlebnis, aus dem Bett über Marmorboden ins Luxusbad zu schlendern (so groß wie anderswo das ganze Hotelzimmer), von unaufdringlich aufmerksamem Personal das Beste, was Küche und Keller der Region zu bieten haben, aufgetischt zu bekommen. Und das in einem Schloß und in spektakulärer Lage. Andererseits – spottbillig ist es nicht. Aber preiswert.

Spanien macht Staat, mit seinen Staatshotels, den Paradores Nationales, die an ausgesucht schönen Stellen, meist in Schlössern, Burgen, Alcazaren, liegen. Jeder Parador hat sein eigenes Gesicht und möchte die Eigenart "seiner" Landschaft zur Geltung bringen, zum Beispiel durch die Einrichtung und – nicht zuletzt – die Küche. Was da die Mädchen in der Tracht der Gegend auftragen, sind typische Gerichte und Weine.

Der Hintergedanke bei den Paradores ist, daß sie in unerschlossenen Regionen und erst recht in erschlossenen Touristengebieten Maßstäbe für gediegene Gastlichkeit setzen sollen. Die Paradores liegen oft abgeschieden, aber wenn man – ein Beispiel – die Altstadt von Avila kennenlernen will, findet man dort den Parador "Raimundo de Borgona" mittendrin, aber ruhig.

Gibt es denn kein Haar in der Suppe? Doch. Einige Paradores sind auf lange Sicht ausgebucht (Ausnahme, nicht Regel). Es ist der Fall bei dem wildromantischen Burgturm-Parador von Alarcon bei Madrid. Dieses Hotel im stolzen Bergfried hat nur zehn Doppel- und ein Einzelzimmer. Kenner kommen immer wieder. Die Jahreszeit spielt keine Rolle. Andere Paradores sind so unentdeckt, daß sie wegen Unrentabilität geschlossen werden sollen. Drei von ihnen hat schon die Stunde geschlagen: Ojen, Puerto-Marin, Villacastin.

Am meisten hat man von seinen Paradores, wenn man gleichzeitig ein bißchen die Gegend drumherum erkundet. Beispiel: Katalonien. Von der Costa Brava bis zu den Pyrenäen gibt es mehrere Paradores. Einer ist in einer tausend Jahre alten Bilderbuch-Burg eingerichtet: Cardona. Es wurden aber auch vereinzelt Paradores in Sommer- und Wintersportzentren neu gebaut. Von einem der neuen, Aiguablava, der zumindest günstig plaziert ist, führt durch die Felsklippen der Costa Brava eine Treppe gleich hinab ins Meer.

Auch die wilden und stillen Nationalparks im Norden sind mit Paradores garniert. Ein Tip: der Parador von Viella als Stützpunkt für einen Streifzug durch den Nationalpark Aigües Tortes, der umkränzt ist von makellosen romanischen Dorfkirchen. Westlich vor dem Park die schönste: Tahull.