Ein Mann namens Larsen hatte Schulden-Probleme mit seiner Bank. Er nahm sich einen argentinischen Schuldenberater, gelten sie doch unter ihren lateinamerikanischen Fachkollegen als die versiertesten. Bevor sich Pepe Armado den Unterlagen Larsens zuwandte, meinte er: "Denken Sie immer daran: In der starken Position ist immer der Schuldner. In der schwachen Position ist der Gläubiger, also die Bank. Die will ja was von Ihnen, und wäre es nur eine kleine Teilrate zur Zinstilgung. Machen Sie sich also keine Sorgen. Lassen Sie sich ruhig Zeit. Je aufgeregter sich die Bank gebärdet, desto ruhiger werden Sie. Je zahlungsunfähiger Sie sind, desto weniger haben Sie zu verlieren. Mahnbriefe gehen manchmal verloren. Der Ton dieser ‚Binnen’-Briefe wird immer rüder und damit unangemessener. Der Bank fehlt die rechte Sensibilität im Umgang mit Ihnen."

Larsen machte sich Notizen. Armado fuhr fort: "Erinnern Sie die Bank daran, daß Ihnen dieser Kredit damals geradezu aufgedrängt wurde: Von Zinstilgung oder gar Rückzahlung sei nur nebenbei die Rede gewesen. Ihnen sei die leichtfertige Art, sich nicht um Sicherheiten zu kümmern, aufgefallen." – Larsen schrieb mit.

"Schieben Sie alles auf Ihre inzwischen von Ihnen getrennt lebende Gattin und ihren kostspieligen Lebensstil, der Sie ruiniert habe." "Wenn die Bank mich zu Sparmaßnahmen nötigen will?" Darauf Armado: "Das ist ein empörender Eingriff in Ihr Privatleben. Für Ihr Wohlbefinden ist ein gewisser Lebensstil unerläßlich, wenn Sie nicht versumpfen sollen und die Bank damit ihre letzte Chance verliert, auch nur einen roten Heller wiederzusehen."

"Welche Aussichten hat die Bank überhaupt, zu ihrem Geld zu kommen? Meine Verdienstchancen sind nicht gerade rosig", sagte Larsen. "Das sollte nicht Ihr Problem sein. Die Bank kann kein Interesse daran haben, Sie an den Bettelstab zu bringen. Um Sie in die Lage zu versetzen, die Zinsen für den alten Kredit aufzubringen, muß sie Ihnen einen neuen Kredit gewähren."

"Und wenn sich die Bank von ihrer widerspenstigen Seite zeigt?" gab Larsen zu bedenken. "Drohen Sie mit einer Schuldner-Schutzgemeinschaft mit dem Ziel, die Banken zu einem unbefristeten Moratorium zu zwingen. So eine Vereinigung könnte mit reißendem Zulauf rechnen. Die Banken kriegen das große Hosenflattern, wenn sie nur daran denken."

"Das klingt ja alles recht beruhigend", meinte Larsen erleichtert. "Da ist noch ein kleiner Haken", ermahnte ihn Armado, "das alles gilt natürlich nur für Bankschulden von zehn Millionen Mark aufwärts. In Ihrem Falle", sagte er nach einem weiteren Blick auf Larsens Unterlagen, "geht es nur um lumpige 100 000 Mark. Da kann ich Ihnen, wenn Sie sich nicht Haus und Hof wegpfänden lassen wollen, nur einen guten Rat geben: zahlen! zahlen! zahlen!"