Die Jugend liest nicht – und wenn sie schreibt, dann falsch: so lautet das gängige Klischee; die Seminararbeit des Germanistikstudenten mit dem Titel "Nathan der Waise" ist inzwischen fast so ein Klassiker wie der Autor des falsch buchstabierten Stücks.

Was nun aber, wenn die liebe Elterngeneration es selber nicht mehr kann, das richtige Deutsch? Wo sollen die Jüngeren es lernen, woher können sie wissen, daß "Nieder mit dem Phershing" nicht nur komisch, sondern auch falsch ist?

Das ZDF verspricht "Hintergründiges" über den Fußball (und hält dieses schöne Ver-sprechen leider nicht); eines der führenden norddeutschen Nobel-Restaurants bietet – Botho Strauß nie gesehen? – eine "Triologie aus Pilzen" an; die größte Sylter Baumschule schickt ihre Rechnung an den "Herrn Proffessor", ein großes Berliner Hotel nennt auf seiner Telephonliste die Stadt "Amsterdamm" und eine feine Reformhausfirma drückt aufs Etikett ihres Gemüsesafts, er sei, unter anderm, "aus Roter Beete" hergestellt. Wundert es, daß, wer den trinkt, Pettersilie und Dyll an den Salad macht, wie man die drei Köstlichkeiten auf Hamburgs Isemarkt nennt?

Die Jeans-Generation kann doch nur lernen von den feinen – belesenen – Bürgern. Etwa denen, die in einer der vornehmsten Hamburger Villenstraßen ein luxuriöses Haus zum Eigentumswohnungserwerb anbieten: Patrizia-Villa. F. J. R.