Time-Sharing (II): Was man beim Kauf beachten sollte

Von Gesine Froese

Immer seltener werden die in den Anfängen noch so beliebten befristeten "Time-Sharing-Angebote", wie sie kürzlich die norddeutsche Janßen und Tiedemann KG auf der Hamburger Freizeitmesse vorstellte. Ihr Slogan: "20 Jahre lang ein Vier-Personen-Häuschen in St. Peter-Ording für den Durchschnittsfestpreis von 425 Mark". Für echte Nordsee-Fans mag das ein Angebot sein, zumal sie das Häuschen mit ein paar anderen Objekten des Unternehmens tauschen können. Effektiv kostet das auf 20 Jahre terminierte Nutzungsrecht für eine Woche pro Jahr insgesamt 4500 Mark in der Hauptsaison, hinzu kommen Reise- und Verpflegungskosten jährlich sowie eine Wartungsgebühr. Praktisch zahlt man in diesem Fall also dieMiete für 20 Jahre im voraus, hat dadurch einen Zinsverlust, aber einen Festpreis für lange Zeit.

Bei Zeit-Eigentum mit Tausch-Möglichkeiten ist alles geregelt, man braucht sich um nichts zu kümmern. Die Betten sind gemacht, die Handtücher liegen im Schrank, das Geschirr ist abgewaschen – dafür sorgt der Service-Dienst des Tauschringes. Man muß lediglich ein Teilzeit-Eigentum besitzen, das wiederum, entsprechend seines Wertes, von einer Tauschbank angenommen wird. Meist nimmt sie für die Aufnahme in ihr Angebot und für die Vermittlung des gewünschten "Ersatz"-Feriendomizils eine kleine Bearbeitungsgebühr.

Ganz klar: Je größer der Vorrat an "gelagerten" Time-Sharing-Objekten, je unterschiedlicher und internationaler deren Lage, umso interessanter ist der Tauschpool. Nordsee-Liebhabern mag es schnuppe sein, daß der Tauschpool des nordfriesischen Unternehmers nur ein paar Objekte an der Küste besitzt, ein gänzlich auf dieses System gebautes Unernehmen wie die Schweizer Hapimag freilich muß ihren Aktienbesitzern schon mehr bieten, als sie es allein schon mit vorhandenen Hapimag-eigenen Ferien-Immobilien könnte: Sie schloß sich zusätzlich noch dem größten internationalen Tauschring an, dem RCI in Indianapolis/USA.

"The Dynamic Duo" (Zitat aus einem US-Magazin), das Managerpaar Jon und Christel de Haan, hat mit seinem RCI und den mehr als 700 Objekten in 32 Ländern längst Qualitätsmaßstäbe für Time-Sharing-Offerten und auch für die Abwicklung des Tausches gesetzt. Nur wenn sie höchsten Komfort-Ansprüchen genügen, werden Time-Sharing-Objekte und mit innen ihre Käufer in den RCI-Pool aufgenommen – so die Selbstdarstellung des Tauschrings. Zu den Voraussetzungen gehören nicht nur eine First-Class-Innenausstattung der Räumlichkeiten, sondern auch die entsprechende Infrastruktur der Wohnanlagen: mit Tennis- oder Golfanlage, Squash-Courts, natürlich Restaurants und Pool. In der Regel sind alle Anlagen mit der RCI-Clubkarte entweder kostenlos oder verbilligt zu benutzen (das Prinzip wurde von vielen anderen Tauschpools übernommen). Fast kann man schon von einer RCI-Philosophie sprechen – einem cosmopolitischen Elite-Club, dem das Gefühl vermittelt wird, mit seinem Time-Sharing-Objekt und der RCI-Mitgliedschaft besitze er den Schlüssel zu den schönsten Sonnenplätzen dieser Welt und hätte Zeit seines Lebens zu den einmal bezahlten Preisen sein Zimmer im ansonsten längst unbezahlbar gewordenen Paradies.

Es muß nicht immer das Paradies sein, auch wenn es der RCI verspricht. Vom RCI akzeptiert wurde nämlich auch ein einstmals eher einer Geisterstadt ähnlicher Appartement-Komplex auf Lanzarote, das bereits im vergangenen Jahr vom Stern kräftig hergenommene "La Santa Sport" von Tjaereborg und seiner Hamburger Vertriebsgesellschaft "Eurotouristik-Time-Sharing-International". Die Illustrierte über die im Eurotouristik nach wie vor verschwiegene Lage des Appartement-Komplexes: "... auf der touristisch noch unerschlossenen windigen Westseite der Insel, umgeben von tristem Lavageröll". Immerhin scheint sich die mit 35 Millionen Mark sanierte ehemalige Bauruine allmählich mit Leben zu füllen und annähernd den Bildern prallen sportlichen und geselligen Lebens im Werbefoto zu gleichen – offenbar ist ein stattlicher Teil der insgesamt 436 Appartements zu je 52 mal 6000 bis 8000 Mark teuren Wochen-Anteilen verkauft worden. Und das, obwohl bei diesem Objekt die laufenden Unterhaltskosten, die in der Regel bei allen Time-Sharing-Objekten gesondert gezahlt werden müssen, relativ hoch sind – mit 275 Mark pro Wohnung und Woche (dazu kommen ja schließlich noch Flug- und Verpflegungskosten).