Junge Frauen oder Arbeitslose haben kaum Chancen, ein Touristen-Visum für die USA zu bekommen. Die amerikanischen Konsulate spielen Inquisition.

Die Industriellen-Tochter hatte Pech. Ihre Urlaubsreise in die USA, vom Papa zum bestandenen Abitur spendiert, blieb ein Wunschtraum: Das amerikanische Konsulat verbot die Einreise. Da half auch nicht die Bürgschaft des wohlbetuchten Vaters – die Beamten ließen von ihrem Argwohn nicht ab, daß ein weibliches Wesen, ledig und "arbeitslos" obendrein, sich allzu leicht illegal in den Vereinigten Staaten einnisten könnte.

Die junge Dame ist nicht das einzige Opfer übereifriger Bürokraten. Unter dem Titel "Schikanen – made in USA" berichtet das Verbraucher-Magazin DM in seiner Juli-Ausgabe, daß die amerikanischen Konsulate immer mehr urlaubswilligen Deutschen das Visum verweigern.

Neuerdings genügt es offenbar nicht mehr, die ohnehin schon recht persönlichen 36 Fragen auf dem Visum-Formular getreulich zu beantworten. Aus Angst, Scharen von Bundesdeutschen könnten sich als Urlauber getarnt für immer und ewig ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten einschleichen, scheuen die Behörden keine Indiskretion.

Wer den Officern suspekt erscheint – das sind vor allem Arbeitslose und Frauen zwischen 18 und 30 Jahren –, muß mit peinlich genauen Verhören rechnen. Die Schnüffelwut macht vor den persönlichsten Angelegenheiten nicht halt: Häufig werden Konto-Auszüge, Belege über den Familienstand und die Urlaubsfinanzierung oder gar Bargeld als Zeichen der Liquidität verlangt.

Doch selbst amtliche Bescheinigungen und Rückflug-Tickets garantieren noch keine Einreise-Erlaubnis. So abgrundtief ist das Mißtrauen der Konsulats-Wächter, daß sie dem harmlosesten Touristen alle nur erdenklichen Investitionen, die hinterlistigsten Tricks zwecks Niederlassung in den USA unterstellen.

Das amerikanische Fremdenverkehrsamt freilich sieht die Inquisition der Konsulate mit Schaudern. Mehr als eine Million US-Dollar investiert es jährlich in die Werbung um BRD-Touristen und muß tatenlos zusehen, wie die heimischen Behörden die Kundschaft vergraulen.