Von Wolfgang Hoffmann

Die "väterlichen Ermahnungen" des Bundeskanzlers, er solle sich um ein besseres Image seiner Bundespost kümmern, hat Christian Schwarz-Schilling offenkundig falsch verstanden. Jedenfalls kommt die Bundespost nicht mehr aus den negativen Schlagzeilen heraus. Kaum ist die massive Rüge des Bundesrechnungshofes an den Verkabelungsplänen der Post verhallt, machen neue Eskapaden des Ministers die Runde. Laut Süddeutscher Zeitung plant Schwarz-Schilling, die unrentable Verkabelung der Republik um jeden Preis rentabel zu machen, jetzt sogar auf Kosten des Telephons, dem einzigen wirklich lukrativen Dienstleistungsbereich der Deutschen Bundespost. Noch läßt der Postminister allerdings dementieren: "Alles Quatsch."

Seinen Dementis ist jedoch seit geraumer Zeit nicht mehr recht zu trauen. Denn der Minister hat schon mehrfach zurückstecken müssen. Kaum im Amt kündigte Christian Schwarz-Schilling die totale Verkabelung der Republik an. Der militante Medienpolitiker der CDU will so viele Rundfunk- und Fernsehprogramme – inländische wie ausländische, private wie öffentliche – in jede deutsche Wohnstube bringen wie es technisch möglich ist. Ein bundesweites Kabelnetz aus Kupfer soll die Programme verteilen.

Der Plan war von Anfang an umstritten. Kritiker haben den Minister vor seiner Kabel-Eile frühzeitig gewarnt und auf finanzielle und technische Risiken verwiesen. Statt Milliarden in Kupferkabel zu verbuddeln, sollte die Post möglichst rasch den Startschuß für ein Kommunikationssystem ganz neuer Art geben, für ein Glasfasernetz, das Signale per Licht überträgt. Ein solches Netz hat – von Experten unbestritten – erhebliche Vorteile, wobei noch der geringste ist, daß ein Gramm Glas zehn Kilo Kupfer ersetzt. Entscheidend ist: Mit dem Glasfasernetz können nicht nur Fernsehprogramme verteilt werden, es kann gleichzeitig auch ein Dialog stattfinden, eine Datenübertragung oder ein Hin- und Hertransport von Nachrichten, stehenden und bewegten Bildern. Das Glasfasernetz ermöglicht mithin Massen- und Individualkommunikation in einem, Schwarz-Schillings neues Kupferkabelnetz hingegen ist überwiegend nur für die Massenkommunikation geeignet.

Aber die Glasfaser hat gegenüber Kupferkabel einen Nachteil: Sie ist noch nicht voll einsatzfähig. Während die Nachrichtenübermittlung per Kupferkabel den Stand der Technik von gestern und heute repräsentiert, ist die Kommunikation per Glasfaser Zukunftstechnologie, mit der die Informationsgesellschaft an der Schwelle des dritten Jahrtausend steht. Lange wird es bis zur Einsatzreife der neuen Technik aber nicht mehr dauern. Christian Schwarz-Schilling will dennoch nicht abwarten: Er will die Fernsehvielfalt jetzt, hier und heute. Pro Jahr investiert er deshalb eine Milliarde Mark in neue kupferne Leitungen.

Sein Problem freilich ist, daß die Sache sich nicht rentiert. Die Milliarden, die der Postminister verbuddelt, bekommt er nie zurück. Das jedenfalls hat der Bundesrechnungshof ihm soeben vorgerechnet. Schwarz-Schillings Kabelwelt wird nicht nur mindestens acht Milliarden Mark teurer als geplant, auch ihr Betrieb bringt nicht soviel Einnahmen, daß damit je schwarze Zahlen geschrieben werden können.

Die Konsequenz aus dem von Schwarz-Schillings CDU-Parteifreund Bernhard Friedmann angeregten Sondergutachten des Rechnungshofes hat der Kabelminister von der Post dennoch nicht gezogen. Kaltschnäuzig tat der Minister kund: "Es besteht kein Handlungsbedarf." Womit der Postminister einmal mehr bewies, daß im Kabinett Kohl jeder Minister machen kann, was er will. Denn Schwarz-Schilling setzt sich deutlich von dem im Kabinett verabschiedeten Informatikbericht ab. Dort heißt es nämlich, daß der Kabelausbau gesamtwirtschaftlich dann positiv zu beurteilen sei, "wenn er nachfrage- und rentabilitätsorientiert erfolgt".