Der Höhenflug des Dollar ist nicht allein mit der vorausgegangenen Erhöhung der amerikanischen Kreditzinsen und der Erwartung weiterer Steigerungen zu erklären. Eine treibende Kraft war auch die bevorstehende Aufhebung der amerikanischen Quellensteuer auf Zinseinkünfte aus Dollaranleihen. Seit Freitag vergangener Woche ist so gut wie sicher, daß sie wegfällt. Bisher wurden einem Inhaber von Dollarschuldverscireibungen, der beispielsweise in der Bundesrepublik lebt, von seinen Zinseinkünften dreißig Prozent Quellensteuer einbehalten, die er dann gegen seine Steuerschuld im Inland verrechnen konnte. Diese Steuer hat ausländische Käufer von Dollarschuldverscheibungen abgeschreckt; wer dennoch gekauft hat, hing an der Angel des deutschen Fiskus, wenn er nicht auf die Vergütung der dreißig Prozent Quellensteuer verzichten wollte.

Statt abgeschreckt werden nach Wegfallen der Steuer solche ausländischen Käufer geradezu angelockt, deren Vorliebe für US-Papiere ebenso groß ist wie ihre Abneigung gegen die Steuerbehörden im allgemeinen. Im Heimatland des Käufers solcher Dollaranleihen sind die Steuerbehörden dann nämlich auf den guten Willen des Steuerzahlers angewiesen, seine Einnahmen zu offenbaren.

Das erklärte . Ziel des neuen Gesetzes ist es, das Geschäft vom Eurobond-Markt, der schon bisher größere Anonymität garantierte, wenigstens zum Teil wieder auf den amerikanischen Markt zurückzuholen. In London, dem Zentrum des Eurobond-Markts, befürchtet man Verluste zugunsten des New Yorker Marktes.

Das kuriose Ergebnis: Eine Steuer fällt, und viele können sich gar nicht so recht darüber freuen – zum Beispiel Bankiers in London und Steuerbeamte in der Bundesrepublik.

R. H.