Marmaris an der türkischen Mittelmeerküste bemüht sich, mit internationalen Treffen eine Yachtbörse aufzubauen und zugleich sein neues Segelrevier zu propagieren.

Aus der ganzen Welt waren 125 Vertreter von Charterfirmen für eine Woche nach Kleinasien gereist, um ein für Segelyachten neuerschlossenes Gebiet zwischen Kusadasi und Antalya zu inspizieren. 35 Segelschiffe unter ausländischer Flagge lagen am Kai, um bei der zweiten "Agentenwoche" von den Kundenvermittlern geprüft zu werden. Organisiert, wurde die Agents-Week von einer Gruppe türkischer Schiffseigner und Agenten, die sich zusammengeschlossen haben, um sich gegenüber dem türkischen Touristikministerium besser behaupten zu können.

Die Türkei ist nämlich in der Zwickmühle: Zum einen soll der devisenträchtige Yacht-Tourismus intensiviert werden, zum anderen hat man die Fehler der Griechen im wahrsten Sinne des Wortes vor Augen. Im ungeliebten Nachbarland wurde das Cnartergeschäft für ausländische Boote gänzlich verboten, um die Devisen im Land zu halten. Die ausländischen Schiffe, die viel Geschäft bringen, segelten daraufhin in die Türkei.

In diesem Jahr hat die türkische Regierung Maßnahmen ergriffen, um Yachten in ihren Gewässern besser zu kontrollieren. Es wurde ein Gesetz erlassen, wonach ausländische Schiffe Schmutzwassertanks, vollkasko-ähnliche Versicherungen und staatliche Lizenzen der Türkei haben müssen, wenn sie in deren Revier unter Charter fahren. Die Lizenz erhält nur, wer mit einer türkischen Agentur zusammenarbeitet, sie kostet jährlich pro Fuß Länge 15 Dollar und pro Koje 60 Dollar. Branchenkenner befürchten zudem, daß die Anzahl der Lizenzen im nächsten Jahr begrenzt werden könnte.

Das Angebot der Yachten in Marmaris wurde auch von den verwöhnten Amerikanern gelobt: "Die schönsten Schiffe in der schönsten Gegend", urteilte beispielsweise Agentin Julie Nicholson aus Antigua. Zu chartern waren Boote aller Größen, von der kleinen "Chin Chin", einem konventionell getakelten türkischen Kaiki (13 Meter) unter dem Eigner Yosef Barnea aus Israel für 240 Dollar am Tag, bis zur Super-Luxus-Yacht "Scorpio", einem vollklimatisieren 23-Meter-Taiwan-Clipper mit elektrisch betriebener Roll-Genua (einem extrem großen Vorsegel). Die maximal vier Kunden müssen dafür allerdings fast 1000 Dollar pro Tag und Vollpension bezahlen.

Karl Forster