Kinder und Zinn

"Wohin ist der Cerro Rico verschwunden?" fragt die Kinderhilfsorganisation Terre des Hommes, Arbeitsgruppe Zolleralb. "Spanier" fanden 1545 armdicke Silberadern schon an der Oberfläche des farbenprächtigen Bergkegels." Er steht bei Potosi in Bolivien, dieser Schatz-Hügel. Oder stand. Denn als alles Silber ausgegraben war, "entdeckte man, daß im Abraum-Schutt der Silbermine Zinn enthalten war. Der Berg und seine Schutthalden wurden ein zweites Mal durchgegraben und -gesiebt." Im württembergischen Balingen ist der Cerro Rico für kurze Zeit wiedererstanden: zusammengesetzt aus mehr als hunderttausend leeren Konservendosen, die Terre des Hommes gesammelt hat. Im Innern des Blechbergs informiert eine Ausstellung über das Schicksal des echten Cerro Rico und der Menschen, die in ihm schuften mußten und noch müssen: "Die Sicherheitsmaßnahmen in den Minen sind gleich Null. Gewerkschaftliche Organisation der Mineros wird nicht geduldet. Niedrigstlöhne zwingen die Kinder der Minero-Familien in die Flöze. Bergleute im Alter von sieben und acht Jahren sind keine Seltenheit." Und für wen geschieht das alles? "Zinn ist einer der Rohstoffe, die die Bundesrepublik zu 100 Prozent importieren." Der echte Cerro Rico ist längst hier, will Terre des Hommes zeigen. Der heilige Berg der Inkas ist Bestandteil unserer Müllkippen geworden. Damit wir uns Abfall leisten können – wie zinnbeschichtete Konservendosen –, müssen bolivianische und andere Kinder sich krümmen, bis zu fünfzehn Stunden täglich,

Statistisch kalt

Statistisch gesehen wird sogar der grau-(sam)-kalte Juli-Anfang 1984 zum Durchschnittsphänomen, wie der Essener Meteorologe Klaus-Eckart Puls im Fachblatt Naturwissenschaftliche Rundschau schon im Februar verriet:

"Die Schafskälte. Ende Mai bis Anfang Juni beginnt sich der Kontinent rasch zu erwärmen ... Das führt früher oder später dazu, daß vom Atlantik her Luft des noch winterlichen abgekühlten Ozeans ‚monsunartig‘ nach Europa vorstößt. Ein solcher Regelfall tritt mit der hohen Wahrscheinlichkeit von 89 Prozent in der zweiten Juni-Dekade ein ..."

"Europäischer Sommer-Monsun. Je weiter die sommerliche Erwärmung des Kontinents voranschreitet, um so mehr häufen sich die monsunartigen Westwetterlagen ... Just zu der Jahreszeit, in der Urlaub und Ferien Sonne erfordern, führt uns die Atmosphäre von der zweiten Juni-Hälfte an mit steil ansteigender Wahrscheinlichkeit kühle und regnerische Atlantikluft heran ... So ist für die dritte Juli-Dekade die statistische Wahrscheinlichkeit des .Europäischen Monsuns‘ mit 89 Prozent genauso groß wie die der Schafskälte. In der Überlieferung ist der für unser Klima typische Regensommer mit dem Lostagsglauben des "Siebenschläfers" (27. Juni) verknüpft. Die meteorologischen Statistiken zeigen tatsächlich, daß die Entscheidung der Atmosphäre für die Westwetterlage häufig schon Ende Juni/ Anfang Juli fällt."

Alles klar? Neun von zehn Sommern sind hierzulande verregnet. Und nach dem Jahrhundertsommer ’83 ging die Schafskälte nahtlos in den Monsun über. Nun stimmt die Statistik wieder.