"Ich war das Opfer einer Verschwörung ... Ich habe ein Komplott zwischen einem Wiener Journalisten und dem österreichischen Minister für Unterricht und Kunst aufgedeckt... Der Minister ist ein gefährlicher Größenwahnsinniger. Er ist ein hinterhältiger Politiker, der den Operndirektor zu seinem Laufburschen machen will."

Der Dirigent Lorin Maazel, der sein Amt als Wieer Staatsopern-Direktor soeben vorzeitig aufgab, über den Journalisten Franz Endler und den Minister Zilk; Frankfurter Rundschau vom 5. Juli.

Feuchtwanger redivivus

Als die ZEIT vor Jahren (Nr. 52/1978) auf den 1958 verstorbenen Exil-Autor, den Brecht-Freund und Thomas-Mann-Vertrauten aufmerksam machte, war er "sehr tot": die Bücher nicht verlegt, sein Leben eher vergessen, Filme nicht gespielt. Jetzt, zu seinem 100. Geburtstag (am 7. Juli), ist Lion Feuchtwanger, Autor von Erfolgsromanen wie "Exil", "Geschwister Oppermann", "Erfolg" oder "Jud Süss" auf vielfache Weise wiederentdeckt worden. Nach Egon Monks glorioser Verfilmung von "Geschwister Oppermann" bringt der S. Fischer Verlag eine zwanzigbändige Taschenbuchausgabe heraus, Rowohlt eine Monographie von Reinhold Jaretzky, Quadriga eine Biographie von Volker Skierka, und Heinz Ludwig Arnolds (bei Beck verlegte) Reihe "Autorenbücher" stellt eine Studie von Wulf Röpke vor (nach einem Sonderheft der verdienstvollen "Text + Kritik"-Hefte). Seltsam und etwas erschreckend: Jahrzehnte des Schweigens, unterbrochen allenfalls durch Reinhart Hoffmeisters Fernsehbericht – und nun eine "Renaissance" dieses Ausmaßes, oder gar eine Schwemme? Immerhin sind außerdem noch 4 – in Worten: vier – biographische Studien (bei Metzler, Athenäum, Röderberg und Bouvier) erschienen; im Ossietzky-Lesesaal der Hamburger Staatsbibliothek ist eine Feuchtwanger-Ausstellung zu sehen. Ein Autor ist wieder da – und hoffentlich nicht erschlagen von dem jähen "Bücherschlag".

Journalistenpoesie: Verfemter Mann

Für den Chefredakteur des einst alternativ genannten Düsseldorfer Stadtmagazins "Überblick" war es "ein langer Anmarsch: man muß von der Niederrheinstraße her den legendären Park betreten und der Jugendstil-Villa des Tierbildhauers Josef Pallenberg entgegengehen, auf einen modernen, verglasten Anbau zu, hinter dessen durchsichtiger Eingangstür dann der Hausherr sichtbar wird: ein älterer Gentleman". Sein Name: Arno Breker, Hitlers Lieblingsbildhauer oder: "Der verfemte alte Mann", so die Überschrift des Geburtstagsartikels. Während in der Abendsonne vergoldete Bronzen des 84jährigen Hausherrn glänzen, erinnert der Verehrer Höhepunkte im Schaffen seines Meisters, jene Großplastiken, "die in enger Abstimmung mit dem nationalsozialistischen Partei- und Staatsapparat" entstanden. Ob der Bildhauer etwa jemanden umgebracht habe oder des Völkermords verdächtig sei, fragt sich der Hofberichterstatter einmal kurz und weiß ein klares Nein. "Bis auf ein goldenes Parteiabzeichen, das man ihm zugedacht hat und einigen längeren Gesprächen mit NS-Bonzen hat dieser Künstler im wesentlichen seine Arbeit gemacht. Und das hieß: Skulpturen zu schaffen und Büsten." Wie heute: "Besucht man ihn, trifft man auf einen unerschüttert Tätigen wie in der Berliner Akademie der Künste, deren Rahmenprogramm eine Podiumsdiskussion und eine Filmretrospektive umfaßt." "Der alte Mann von Lohausen hat viel geschaffen, worauf er stolz sein kann. Der ‚Überblick‘ gratuliert ihm zum 84. Geburtstag." Mit solchen Gratulanten kann im Hause Breker wieder gefeiert werden – fast wie in alten Tagen.

Scherrmann? Schürmann!

Mitten in Heidelberg, am Kornmarkt, gibt es, seit das Hotel "Prinz Carl" etwas zu eilig abgerissen worden ist, eine Lücke im Stadtbild. In diesen Tagen zeigt sich nun, wie die Politiker sie zu füllen beschließen: mit einer intelligenten Architektur oder einer traditionalistischen Platitüde. Diese seltsame Wahl haben sich die Stadtverordneten selber aufgenötigt, weil sie der Wahl des Preisgerichtes, das sie berufen hatten, nicht folgen mochten. Es hatte den Wettbewerbsentwurf des Kölner Architekten Joachim Schürmann gekürt. Der aber war ihnen zu modern, weswegen sie ihren Bauamtsleiter Scherrmann mit einem hauseigenen Entwurf beauftragten. Es wurde ein historistisches Machwerk, das Zerrbild einer zeitgenössischen Architektur "im historischen Kontext". Wie anbiedernd banal dieser Entwurf auch ist, er schmeichelt offenbar der Vergangenheits-Sentimentalität vieler. Dagegen wird sich hoffentlich das klare Geschichtsbewußtsein des Bauausschusses zur Wehr setzen. Denn der Schürmannsche Entwurf für den Altstadt-Neubau ist ein Musterbeispiel für eine moderne, die Umgebung spiegelnde Architektur.