Wachwechsel in Rom

Ein Hauch von Ewigkeit, der sogar dicke Luft im Vatikan dünn macht, verlangt dort von Botschaftern langen Atem. Den hatte Walter Gehlhoff, der klug und behutsam nicht nur zerschlagenes Porzellan aus der Zeit seines Vorgängers zu kitten verstand, sondern zum Abschied nach sechs Jahren Sympathiebekundungen des Papstes hörte, die weit über Protokollarisches hinausgingen. Sie galten der Bundesrepublik und dem Diplomaten, einem Protestanten und Sozialdemokraten. Sein Nachfolger Hermes, ein katholischer Christdemokrat, kann davon profitieren, selbst wenn man ihm nicht mehr Zeit ließe als Gehlhoff. Unerreichbar bleibt der Rekord eines Diego von Bergen, der von 1920 an deutscher Vatikanbotschafter war: 22 Jahre lang – und was für welche!

Kleiderordnung

Richard Alexander, konservativer Unterhausabgeordneter aus Newark, sorgt sich um die guten Sitten im britischen Parlament. Ihn wurmt es, daß seine Kollegen zunehmend salopp gekleidet zu den Debatten erscheinen. Vor allem auf dem linken Flügel der Labour Party lasse das äußere Erscheinungsbild zu wünschen übrig. Für Richard Alexander offenbart sich der Verfall der Kleiderordnung in Lederjacken und Sonnenbrillen, in offenen Hemdkragen und Safari-Anzügen, die den Blick auf das Unterhemd freigeben. Immerhin: Die große Mehrheit der Abgeordneten bleibt brav beim Anzug. Beim Oppositionsführer Neil Kinnock allerdings, stellte die Londoner Times leicht indigniert fest, stammen die Anzüge inzwischen von der Stange einer Warenhauskette.

Hilfe für Afrika

Rupert Neudeck, Vorsitzender des Komitees Cap Anamur/Deutsche Not-Ärzte, bittet erneut die Leser der ZEIT um Hilfe. "Das Komitee will auch im Süden des Sudan trotz äußerster Risikoanspannung versuchen, Menschen in Not zu helfen. Es beginnt zugleich nach zwei Monaten schwieriger Vorbereitung seinen Einsatz in der Provinz Tete in Moçambique. Wir werden an drei Orten eine Ambulanz und ein Feeding-Zentrum aufbauen. Alle Orte liegen weitab vom Schuß und sind schwer unterversorgt. Wir brauchen neben Geld (Stadtsparkasse Köln, Kontonummer 2 222 222) noch dringlich Allround-Techniker, die auch Einsätze koordinieren können – mit Englisch-, Französisch- und (in einem Fall) Portugiesisch-Kenntnissen. Für zwei Projektplätze fehlen uns in allernächster Zeit die Chirurgen (betrifft den Tschad und Uganda). Wie immer: Man kann bei dieser Arbeit nichts verdienen, bekommt allenfalls einige Kosten zurück, die einem in der Bundesrepublik bleiben." Neudeck bittet um Meldungen an seine Adresse: Kupferstraße 7, 5210 Troisdorf.

Aus der Redaktion

Seit 20 Jahren hat Ernst Weisenfeld, intimer Frankreichkenner und Grandseigneur der deutschen Auslandskorrespondenten, für die ZEIT aus Paris berichtet: unbestechlich, abwägend, stets sorgfältig informiert und informierend. Er hat durch seine Rundfunkkommentare, durch Fernsehfilme und durch seine Artikel das Frankreichbild der Deutschen mitgeprägt und Verständnis für den Nachbarn gefördert, weil er das Verstehen möglich machte. Seine regelmäßige Berichterstattung für die ZEIT stellt Ernst Weisenfeld nun ein. Wir danken ihm für die zwei Jahrzehnte.