Von Günter Haaf

Die Diskussion um sauberere Auto-Abgase hat groteske Züge angenommen. Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann nennt den Kabinettsbeschluß zur Einführung des bleifreien Benzins vom 1. Januar 1986 an bei gleichzeitiger Verminderung der "Schadstoffe im Kfz-Abgas unter Ausschöpfung der derzeit verfügbaren wirksamsten Technologie" einen "Etappensieg". Er hat freilich allenfalls einen Etappensieg im Rückzug von eben seinen Ankündigungen errungen. Denn weder werden in anderthalb Jahren die strengen amerikanischen Werte zwingend vorgeschrieben, noch ziehen die EG-Nachbarn mit: Erst von 1989 an soll bleifreies Benzin in der gesamten Gemeinschaft verfügbar sein, erst 1991 gar sollen alle Neuwagen bleifrei betankt werden können.

Grotesk ist die Debatte, weil sie so gefuhrt wird, als ginge es einzig um den Abgas-Katalysator, der nun einmal kein Blei verträgt. Dabei gibt es schon längst die besten Gründe, das giftige Schwermetall aus dem Kraftstoff zu verbannen: Blei gefährdet die menschliche Gesundheit und vor allem die geistige Entwicklung der in Bleischwaden aufwachsenden Kinder.

Aber wenn wir schon über das Auto als Umweltverschmutzer reden, dann gründlich.

In der Bundesrepublik fahren mehr als 25 Millionen Kraftfahrzeuge auf einem sehr gut ausgebauten Straßennetz. Die Sättigungsgrenze ist fast erreicht. Das Auto hat unser Leben verändert: Fast alle hängen beruflich direkt oder indirekt vom Auto ab; fast allen hat es eine früher ungeahnte Mobilität beschert.

Aber nicht nur auf der Haben-Seite, auch im Soll stehen eindrucksvolle, nein: bedrückende Zahlen. Im vergangenen Jahr kamen 11 715 Personen auf bundesdeutschen Straßen ums Leben, 145 000 wurden schwer, 344 000 leicht verletzt – jeweils mehr als im Jahr zuvor. Die Landschaft ist ökologisch in viel zu kleine Flächen zerschnitten worden, der Verkehrslärm allgegenwärtig. Vor allem: Die Abgase gefährden Gesundheit und Umwelt. Unsere Wälder sterben – und die Stickstoffoxide aus dem Auspuff sind über einen komplizierten luftchemisch-ökologischen Prozeß entscheidend am Waldsterben beteiligt.

Eine solche Minusbilanz würde, seien wir ehrlich, mit Sicherheit verhindern, daß wir das Automobil, wäre es noch nicht erfunden, heute ganz neu einführten – jedenfalls jenes Automobil, das wir derzeit bauen. Es ist mit zu vielen Risiken behaftet. Doch gibt es das Auto schon, und nun müssen wir uns überlegen, was wir mit ihm eigentlich wollen und was nicht: Wir wollen seine phantastische Beweglichkeit und Bequemlichkeit nutzen. Wir wollen uns selbst und der Natur aber auch möglichst wenig Schaden antun – und schon gar keinen unnötigen.