*

Außergewöhnliche Anstrengungen unternehmen die Küchenbrigaden aller Musikdampfer, wenn zum "Gala-Buffet" geladen wird. Das ist keine deutsche Eigenart, auch unterm Sternenbanner, unter der roten Fahne oder unter dem Griechenkreuz läuft das große Ritual gleichermaßen ab: erst Phototermin vor der kulinarischen Szenerie für alle Knipser und Schmalfilmer, dann frohgestimmte Schlangenbildung in Smoking und langer Robe. Da scheut sich die resche Kaufmannsfrau nicht, mit dem Koch um den schnöden Lohn eines zweiten Löffels Kaviar zu flirten, da harren mächtige Magnaten, die am Schreibtisch mit Minuten geizen, geduldig in der Reihe aus, bis der Weg zu Hummer und Gänseleberpastete frei wird. Das kalte Buffet ist eine Massenpsychose, die den fassungslos läßt, der zum gepflegten Mahl auch den freundlichen Service zählt. Ein Lob der "Europa", sie bietet auch zum Buffet einen kleinen Service mit einem warmen Gericht an.

Ansonsten haben es Küchenchefs auf See schwer, vorbehaltlos Lob zu ernten. Noch immer geistern die Erzählungen von lukullischen Höchstleistungen auf den alten Luxuslinern durch die Köpfe der Nachgeborenen. Daran messen sie heutige Schiffsküchen, nicht bedenkend, wie verwöhnt wir inzwischen sind gegenüber einer Zeit, da selbst eine Pizza oder eine Paella unbekannte exotische Genüsse waren. Mittlerweile setzen Freßtempelchen mit zehn bis zwanzig Tischen die Norm für unsere höchsten Gaumenfreuden. Damit kann keine Küche konkurrieren, die 600 hochgemute Esser versorgen muß; Die weiße Brigade der "Europa" zieht/sich honorig aus der Affäre. Sie kocht rundum gut, solide und betont deutsch. Wie so oft heißt das aber auch: Ein bißchen raffinierter dürfte es schon sein.

Aber das ist wieder ein anderes Phänomen.