Von Marianne Heuwagen

William Frinkhouser" nannte sich der Absender eines Briefes, in dem das Büro des kalifornischen Kongreßabgeordneten Don Edwards in Washington gebeten wurde, Kopien eines Kongreßberichtes an dreizehn Adressaten in Los Angeles zu verschicken – einer Bitte, der ein eifriger Hospitant auch umgehend gefolgt war. Obwohl amerikanische Abgeordnete solche Anfragen routinemäßig erhalten, war dem Anwalt und ehemaligen FBI-Agenten Edwards der Brief aus San Franzisko nicht ganz geheuer. Eine Überprüfung bestätigte seinen Verdacht: Den Absender "William Frinkhouser" gab es in San Franzisko gar nicht, dafür aber die 13 Adressaten des Kongreßberichtes in Los Angeles. Sie waren Geschworene in dem nun schön über drei Monate dauernden Prozeß gegen den 59jährigen Autofabrikanten John Z. DeLorean, der angeklagt ist, an einer Verschwörung zum Import und zur Verteilung von Drogen teilgenommen zu haben.

Der sonst so gewiefte Autofabrikant hatte nicht gemerkt, daß die Partner in dem so lukrativ erscheinenden Kokainhandel Agenten der Bundespolizei FBI und der Drogenkontrollbehörde DEA waren. Die Beamten hatten DeLorean am 19. Oktober 1982 in Los Angeles festgenommen, just an jenem Tage, an dem die britische Regierung gegen die DeLorean Motor Company in Nordirland einen Antrag auf Einleitung des Konkursverfahrens gestellt hatte. Zehn Millionen Dollar hätten die Autofabrik vor dem Bankrott retten können. Dieses Geld, so meint die Anklage, habe DeLorean sich offensichtlich mit dem Drogengeschäft beschaffen wollen,

Dabei fiel er auf eine sogenannte Undercover Operation des FBI herein – eine jener Geheimoperationen, in denen das FBI die moralische Integrität von US-Bürgern – vorzugsweise Volksvertretern oder Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens – testet: Der FBI bringt sie in Versuchung, das Gesetz zu überschreiten. Im Abscam-Skandal vor zwei Jahren waren einige Kongreßabgeordnete wegen der Annahme von Bestechungsgeldern überführt und verurteilt worden. Seitdem sind diese "Undercover Operations" umstritten.

Unter der Leitung des kalifornischen Kongreßabgeordneten Don Edwards hatte sich ein Kongreßausschuß mit dieser Polizeitaktik kritisch auseinandergesetzt und in seinem abschließenden Bericht der Bundespolizei vorgeworfen, mit derartig willkürlichen Untersuchungen ansonsten ehrbaren Bürgern zu schaden – vor allem, wenn am Anfang ausschließlich Informationen von Mittelsmännern stehen. Genau dies ist im DeLorean-Fall geschehen. Der Polizeiinformant heißt James Timothy Hoffman, 43, ein ehemaliger Nachbar von DeLoreans Freizeitdomizil in Pauma Valley.

Als der Kongreßabgeordnete Don Edwards erfuhr, daß sein Bericht in die Hände der DeLorean-Jury gelangt war, die über Schuld oder Unschuld des Angeklagten entscheiden muß, meinte er, es handele sich um einen unrechtmäßigen Versuch der Geschworenenbeeinflussung, was in amerikanischen Strafverfahren zur Erklärung eines "Mistrial" und einer Wiederaufnahme des gesamten Verfahrens führen kann. Bundesrichter Robert M. Takasugi in Los Angeles allerdings ließ sich nicht beirren. Eine Vernehmung der Geschworenen ergab, daß nur sieben den Bericht erhalten, nur einer ihn kurz überflogen, aber keiner ihn wirklich gelesen hatte. Offensichtlich waren einige Berichte an die falschen Adressen geschickt worden. Die Untersuchung der Frage, wer hier versucht hatte, die Geschworenen zu beeinflussen, überläßt der Richter nun der Bundespolizei. Der Prozeß geht unterdessen weiter.

Es war nicht das erste Mal, daß jemand versucht hat, in den DeLorean-Prozeß einzugreifen: Bereits vor Beginn des Prozesses hatte eine bisher nicht identifizierte Person den Video-Streifen, der DeLorean während der Verhaftung zeigt, an den Pornoverleger Larry Flynt verkauft. Flynt wiederum hatte den Streifen der Fernsehgesellschaft CBS überlassen, die ihn prompt in ihrer abendlichen Nachrichtensendung landesweit ausstrahlte.