Keine Auswirkungen der Arbeitskämpfe auf das Urlaubsgeschäft werden im Schwarzwald und im Rheinland erwartet. "Dem Schwarzwald", so Verbandsdirektor Otto Zumkeller, "bleiben die Stammgäste treu." Kein Wunder, die meisten sind im Rentenalter. Für Dieter Decken vom Fremdenverkehrsverband Rheinland war das kalte Regenwetter sogar schlimmer als jeder Streik. "Es hielt die Ausflügler aus den Nachbarländern ab", sagt er.

Bereits im letzten Jahr haben die ausländischen Urlauber das Geschäft in den deutschen Fremdenverkehrsgebieten halbwegs gerettet. Sie kamen um 3,5 Prozent zahlreicher, während wiederum 3,4 Prozent weniger Deutsche Urlaub im eigenen Land machten.

Über Ostern 1984 waren die Hoteliers und Gastwirte zwar zufrieden wie selten zuvor. Aber im Mai setzte mit dem Regen ein rückläufiger Trend ein, der über Pfingsten andauerte und zumindest in einigen Ferienregionen immer noch anhält. Insgesamt können die Fremdenverkehrsämter froh sein, wenn sie die nicht berauschenden Ergebnisse aus 1983 wieder erreichen.

Statt flexibel auf neue Situationen zu reagieren, wird allenthalben nach Entschuldigungen gesucht. Lediglich die Bayern haben konkrete Pläne, wie sie die Lage nach den Streiks auch für das Fremdenverkehrsgeschäft sogar nutzen können. "Neben denen, die ganz zu Hause bleiben, dürfte es jetzt auch eine Menge Leute geben, die sich zwar keine lange Auslandsreise mehr leisten können, aber vielleicht einen Urlaub in Bayern", hofft Günter Stopperich, der Geschäftsführer des Landesfremdenverkehrsverbandes. Er will in den nächsten Wochen gezielte Werbeaktionen in den Gebieten starten, in denen am meisten gestreikt wurde. Willi Bremkes